Eine verkehrte Welt - Im Farindelwald
Eine unerwartete Begegnung
Ich war gerade dabei einen kleinen Schluck aus meinem Glass Wein zu nehmen und mich in der „Magie des Stabes“ zu vertiefen. Ein höchst bemerkenswertes Buch, geschrieben von jemand, der wirklich wusste was er tat. Die manchmal schrägen Blicke der anderen Gäste ignorierte ich dabei völlig. Das kannte man ja mittlerweile zu genüge, gerade in diesem Landstrich voll abergläubischer Bauerntölpel und besonders hier nahe Havena. Ich hatte noch keine halbe Stunde mit der Lektüre zugebracht, als mir aus dem Augenwinkel der Wirt ins Auge fiel. Nicht weil er so besonders gewesen wäre, nein, aber er tuschelte seinem Schankburschen etwas zu und deutete dabei auf mich, woraufhin der Bub im Obergeschoss verschwand, nur um kurze Zeit darauf mit einem spießbürgerlich gekleideten Mann die Treppe wieder herunter zu kommen und dabei in meine Richtung zu zeigen. Das letzte Mal, als mir etwas ähnliches in Havena passiert war, hatte sich ja aus der Situation nicht das erfreulichste ergeben… ich wartete gespannt ab, den Blick leicht über den Bücherrand erhoben um unauffällig dem Geschehen zu folgen. Tatsächlich schob sich der Mann, eigentlich eher ein junger Bursche ungefähr in meinem Alter, quer durch den Schankraum zielgerichtet zu mir herüber. Ich wartete gespannt ab und gab vor nichts zu bemerken. Als er an meinen Tisch kam fragte er höflich nach, ob er sich setzen dürfe, was ich selbstverständlich bejahte. Anstand war eben Anstand. Beim hinsetzten stellte er sich als Hesindion Herberger vor. Ich nannte ihm ebenfalls meinen Namen und wir kamen schnell ins Gespräch. Ich merkte gleich an seiner ganzen Art, dass er ein kultivierter und gebildeter Mann war, der ein intelligentes Gespräch allemal dem tumben Geschwätz des Bauernvolkes vorzog.
Wir parlierten über das woher, in meinem Fall Honingen, und das wohin, wiederum in meinem Fall Nostria, und er eröffnete mir, dass sein Lehrmeister, ein gewisser Magister Galrick Dergelsaum der in einem Kaff Namens Orweil residieren würde, einen wissensbringenden Auftrag für mich hätte, wenn ich mich denn von meinen aktuellen Plänen lösen könnte. Sein Meister sei ein alter Mann, der das eigene Anwesen wohl nur noch selten verließ, aber dafür ihn, seinen jungen Schüler, losschickte, alles Notwendige zu erledigen. In letzter Zeit hatten sich wohl, trotz eines bisher nicht schlechten Verhältnisses zueinander, Spannungen mit der örtlichen Landbevölkerung ergeben. Diese leide unter unerklärlichen Vorfällen, die sie, wie sollte es anders sein, dem ortsansässigen Magus zuschrieb. Dieses Problem war mir ja nun leidlich bekannt. Kaum passierte etwas, hieß es immer, die Hexe ist schuld. Und hatte man davon keine zur Hand, dann war es eben der Magier. Oder wer als üblicher Sündenbock im Notfall eben gerade greifbar war - Kräuterfrauen, durchreisende Zahori oder auch Elfen passten da auch immer hervorragend ins Opferbild. Da konnte der Leumund bisher noch so gut gewesen sein, das einfache Volk war eben nicht in der Lage über den eigenen, extrem begrenzten Rand der Suppenschüssel hinaus zu blicken. Kein Wunder, wenn doch der einfache Landmann kaum einmal über den Nachbarort hinausgekommen war. Es sei denn er hätte einmal in einer Wehr im Krieg dienen und seinen Lehnsherrn auf einem Feldzug begleiten müssen und das auch noch zufällig überlebt! Da meine Pläne aber weder in Granit gemeißelt noch unaufschiebbar waren sagte ich kurzerhand zu. Des Weiteren erfuhr ich, dass der Magister wohl Magier, aber keiner Gilde mehr zugehörig war und sich in der seltenen Profession der Magomechanik versuchte. Zumindest interpretierte ich das gehörte so. Das dürfte spannend werden, da ich darüber bisher kaum mehr als bloße Geschichten gehört hatte, meine Neugier hatte der Bursche auf jeden Fall geweckt. Hesindion, er stammte selbst aus Orweil, war also quasi persönlich betroffen, hatte aber eine Zeit lang in Punin studiert und war dann über ein Arrangement des Magisters mithilfe eines Stipendiums oder einer ähnlichen Konstruktion als persönlicher Schüler, der aber in Punin examinieren dürfte, zurück zu dem Lehrmeister gekommen. Allerdings hatte der alte Herr wohl das ein oder andere Zipperlein, weswegen Hesindion noch in Havena einen Medicus suchen müsse, der auch Hausbesuche machte. Er lies mich mit 2 Dukaten für die bis zu seiner Rückkehr anstehenden Spesen im Gasthaus zurück, wovon ich einen direkt dem Wirt für Kost und Logis in den nächsten Tagen gab. Dann hieß es warten. Was mich aber nicht weiter störte, da ich ja in dieser Zeit ohne Ablenkung auf Kosten eines Dritten auch noch meine Studien der Magie des Stabes vertiefen konnte und schon einmal zu planen begann, mit was für veritablen Verzauberungen in welcher Reihenfolge ich meinen geliebten Stecken belegen würde. Der Anfang, so lernte ich, war auf Grund der Simplizität wohl immer die ewige Flamme, die ich mir sogleich für eine der nächsten Vollmondnächte vorzunehmen gedachte. So ich denn einen passenden Ort finden würde, denn dies, so stand geschrieben, würde das Werk erheblich erleichtern.
Der Weg nach Orweil
Zwei Tage später kam Hesindion zurück, eine Dame im Schlepptau die sich mir als Yazinda vorstellte. Sie war Heilerin, die ihr Handwerk in Mengbilla erlernt hatte, also immerhin aus dem zivilisierteren Teil Deres kam. Eine recht fröhliche, offene aber auch wortgewandte Person, mit der sich vortrefflich parlieren und diskutieren ließ. Freilich merkte man ihr die mangelnde akademische Bildung an, Handwerker, und so einer war ein profaner Medicus nun einmal, bleibt eben Handwerker. Aber sie hatte eine Wachen Geist und gab nicht leicht bei, wenn ich ihr Dinge erklärte die ihren Horizont überstiegen. Das gefiel mir außerordentlich, ebenso wie ihr im Übrigen auch nicht ungefälliges Äußeres. Sie mochte wohl zwei oder drei Götterläufe älter sein als ich selbst, aber sie war doch eine recht ansehnliche Frau. Umso überraschter war ich als sie äußerte, selbst Magie wirken zu können. Das, musste ich zugeben, hatte ich nun nicht erwartet. Ich wollte dies sogleich prüfen und wirkte den Odem-Cantus, aber es tat sich…. Nichts. Sollte sie gelogen haben? Geistesgegenwärtig hob ich meinen Stab vors Auge… nichts. Da musste mir doch dieser simpelste aller Sprüche glatt einmal misslungen sein. Ich hob von neuem an, und siehe da, es stimmte. Eine schwache, unausgeprägte Aura umgab sie. Armes Ding. Hätte man sie rechtzeitig statt zu einem Kurpfuscher und Zahnreißer zu einem richtigen Magier in die Lehre gegeben, was hätte aus dem Mädel für eine prächtige Magierin werden können, wenn es die Götter gewollt hätten! So? Ein verkümmertes Potential, für dessen Ausbildung es eindeutig zu spät war. Verschwendete Möglichkeiten. Aber sie trug es mit Fassung. Über verschüttete Milch soll man ja im Nachhinein nicht weinen. Sie schien das Beste aus ihrer Lage zu machen, und das wiederum gefiel mir erneut. Nicht jammern, sondern handeln, so sollte man sein Leben anpacken. Wir unterhielten uns also über das eine oder andere: Methoden der Heilung, Krankheiten, Gebrechen, medizinische Themen eben, bei denen sie offensichtlich tatsächlich einen beträchtlichen Erfahrungsschatz aus ihrer Tätigkeit an Bord von Schiffen mitbrachte. Und ihr Hobby, die unzivilisierte Sitte des Hautbildstechens, die ich aber für mich selbst rundweg ablehnte. Dabei war sie wahrlich nicht einfach zu überzeugen, ja widersprach mir sogar immer wieder einmal, wenn es z.B. darum ging, warum die Magier zum Herrschen bestimmt waren. Als aber die Sprache auf Gifte kam, und ich ihr das neulich erst gefundene Arachnea zeigte, dass eine rechte Begeisterung bei ihr auslöste, und auch das Schlafgift, wurde es mit einem Mal um uns herum im Gastraum auffällig still. Da hatte ich in meiner Begeisterung im Gespräch doch tatsächlich die übliche Vorsicht fallen lassen und nun sahen uns die Anwesenden an. Neugierig, feindselig, abwartend. Ich war mir eigentlich recht sicher, dass keines der beiden Mittel indiziert und auf dem Kodex Werheimium stand, der Liste verbotener Substanzen. Aber Rechtskunde, das muss ich zugeben, gerade das Recht des Mittelreichs, ist nun wirklich kein besonderes Fachgebiet meiner Person. Ich war schließlich Magus, und kein Winkeladvokat. Hesindion gab den Reichsbedenkenträger und schlug vor, dass wir doch zügig aufbrechen sollten. Das Gespräch könnten wir ja auf der Reise fortsetzen, was wir dann auch taten, bevor jemand auf den Gedanken kommen konnte die Büttel zu holen. Insofern packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg gen Honingen, wo dieses Orweil wohl irgendwo bei einem anderen Ort namens Ortis abseits der Reichsstraße liegen würde. Da kam ich mir nun irgendwie von den Zwölfen genarrt vor, genau den gleichen Weg hatte ich ja erst vor wenigen Tagen in die andere Richtung zurück gelegt… aber so ist das nun einmal, und machen konnte ich dagegen ohnehin nichts. So machten wir uns bei kühlem Efferd-Wetter und bewölktem Himmel auf den Weg.
Um es kurz zu halten, die Reise war sehr Ereignisarm, öde und für meinen Geschmack auch zu kühl. Aber immerhin kostenfrei, da Hesindion uns aushielt. Wir passierten Orte in die andere Richtung, die ich doch gerade erst durchwandert hatte. Ohne die interessanten Gespräche mit Hesindion und Yazinda wäre es ein echtes Trauerspiel gewesen. So konnte man wenigstens sagen, dass zumindest die gelehrte Unterhaltung dabei nicht zu kurz kam. Kurz nachdem wir die Reichsstraße verlassen hatten kam uns auf dem deutlich schlechter bestellten Weg nach Orweil ein von 2 kräftigen Zugochsen angetriebener Planwagen entgegen, auf dem ein Bäuerlein versucht hatte seinen ganzen Hausstand zu verzurren. Er wackelte und schunkelte, dass man glattweg Angst bekam alles würde sich beim nächsten Schlagloch lösen und zu Boden kollern. Aber es hielt. Nun waren wir zu Fuß und das Gespann brauchte eh die ganze Breite der Straße, also machte ich einen Schritt zu Seite. Es brächte ja nichts, hier auf sein Recht zu bestehen und weiter auf dem Weg zu schreiten, wenn man doch klar erkennbar sah, dass das Gefährt keine Möglichkeit hat einem Auszuweichen. Neben dem Bauern auf dem Kutschbock saß eine Frau, wohl seine Gemahlin. Eine dicke, runde Kugel spannte sich unter ihrem einfachen Wollkleid. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis ein neuer Derenbürger geboren wurde, Tsa sei's gedankt. Beiden, dass sah man schon aus der Ferne, stand die Angst im Gesicht. Hesindion schien die beiden zu kennen und sprach sie an, aber die blanke Panik trieb sie weiter, kaum willig uns Auskunft zu geben. Die Aussage war: „Wir müssen weg“. In Orweil sei es wohl immer schlimmer geworden. Ich hörte einiges aus dem Gespräch heraus. Ein Mord, sogar ein Doppelmord war geschehen, ein Praioti verschwunden (gut, den wird niemand vermissen), und die Dorfkinder waren am helllichten Tag im Gänsemarsch aus der Praiostagsschule verschwunden, ohne dass die Lehrerin es bemerkt hätte. Die Jäger des Dorfes hätten sich gegenseitig mit den Bögen, obwohl der eine doch Fallensteller war, mit einem Pfeil ins Auge geschossen. Das klang erstaunlich und seltsam. Die Stimmung im Dorf sei wohl sehr gedrückt und die Leute natürlich nicht gut auf den Magister zu sprechen. Wärend wir noch sprachen tat die Heilerin Yazinda das, was man von einer Heilerin erwartete. Sie untersuchte die Schwangere. Es schien aber alles gut zu sein, wenn ich das richtig verstanden hatte, soweit die Beiden nur bald wieder ein festes Dach über dem Kopf hätten, welches sie im Nachbarort bei Verwandten zu finden gedachten. Nunja, diese Landbevölkerung ist ja eh immer gleich mit allen Versippt und Verschwägert, da würde sich in der Nähe schon ein Obdach finden. Nichts, was jetzt mein Problem wäre. Schlussendlich entschlossen wir uns aber auf Grund des Gehörten zu einem kleinen Umweg, nicht durch das Dorf direkt, sondern auf einem anderen Pfad zum Anwesen des Magisters. Der Wald durch den wir dabei kamen war irgendwie anders als ich es gewohnt war. Ich konnte es nicht genau greifen, ich bin ja auch kein Waidmann oder Förster. Aber Yazinda konstatierte, er sei zu ordentlich, wirkte gar aufgeräumt. Und sie hatte recht. Wenn man ein Auge dafür hatte konnte man sehen, dass kaum Äste oder Totholz herum lagen. Es war, als hätte ein Putzsklave hier seine Aufgabe in der Reinlichkeit gesucht.
Magister Dergelsaum
Als wir bei dem Anwesen anlangten war ich positiv beeindruckt. Genau so hatte ich mir das Domizil eines Magiers in diesen Landen vorgestellt, wie aus dem Bilderbuch. Eine alte, rankenbewachsene Mauer im Karree herum, darin die Giebel zweier Häuser und als Krönung des Ganzen ein runder Turm, der gut ein Dutzend Schritt in die Höhe alles überragte. Herrlich! So, stellte ich fest, sollte ein Magier von Stand residieren. Das wäre natürlich nichts für uns in Meridiana, da musste das anders aussehen. Aber hier oben, da war das, als hätte man es direkt aus einem Märchenbuch heraus gebaut. Der Magister hatte sich meinen Respekt schon verdient, bevor ich ihn überhaupt zu Gesicht bekommen hatte. Vor der Tür standen zwei grobschlächtige Kerle mit schwarzen Gesichtsmasken und schweren Streithämmern, denen man schon auf die Ferne zwar die Kraft, aber auch das mangelnde Hirn ansah. Aber diese Kombination brauchten sie bei ihrer Arbeit wohl genau so, wie es war. Auf Sicherheit schien Magister Dergelsaum also Wert zu legen, gut so. Wir näherten uns und wurden auch sogleich mit bedrohlich erhobenen Waffen aufgehalten. Aber Hesindions „Lasst uns ein, dies sind Gäste des Turms“ öffnete uns das Tor. Die Wachen stellte er uns als Quinn und Sed vor, auch wenn das vergebliche Mühe war. Unter den Masken waren die Gesichter nicht zu erkennen, so dass ich sie später eh nicht mehr hätte unterscheiden können. Drinnen erwarteten mich weitere Überraschungen. Gepflegte Zierhecken rahmten alles ein, etwas seitlich fand sich ein mehrere Schritte durchmessendes Heptagramm im Boden, welches aus blank poliertem Silber zu bestehen schien und dass ich sogleich begeistert inspizierte. Ich kam mir vor wie ein kleiner Junge im Bonbonladen am Praiostag, der seine paar Heller das erste Mal selbst ausgeben durfte. Hier wohnte offensichtlich jemand, in dem ich einen verwandten Geist finden würde. Umso mehr erstaunte mich der Anblick, als ich die Augen vom Boden hob und weiter schweifen ließ. Neben dem Turm, auf einer offensichtlich mit aller Kunstfertigkeit gezimmerten Terrasse aus poliertem Holz, fand sich der Herr dieses stolzen Anwesens. Ja, er trug einen langen, wallenden, grauen Bart der seinem Stand und Alter durchaus angemessen war. Aber ansonsten? Übermäßig legere fläzte sich der Magister, gekleidet nicht in standesgemäße Robe sondern einen bloßen Bademantel, in einem Liegestuhl. Und dass trotz des kühlen Wetters! Seine Augen wurden von einer Bernsteinbrille verschattet und ein weiterer maskierter Diener fächelte ihm Luft zu. Das wirkte, man könnte sagen, im besten Fall befremdlich. Wir wurden heran gewunken und durften uns vorstellen. Magister Galrik Dergelsaum, so ergab sich im Gespräch, war wirklich ein Unikum. Wenn ich mir nun die Informationen die mir Hesindion gegeben hatte und das Gespräch mit seinem Meister durch den Kopf gehen ließ, so formte sich ohne Zweifel das Bild eines ältlichen, aber körperlich durchaus noch rüstigen Meisters des Arkanen, der losgelöst von den Zwängen und Konventionen der Gilden und der Gerichtsbarkeit in der Abgeschiedenheit Albernias seinen Forschungen und Vorlieben frönte. An finanziellen Mitteln schien es ihm indes nicht zu mangeln, finanzierte er doch anscheinend, ohne darauf angewiesen zu sein Werksaufträge ausführen zu müssen, nicht nur seinen Lebensunterhalt und den seines Lehrlings, sondern darüber hinaus noch ein wahrscheinlich exorbitant teures Stipendium am Institut der hohen Magie zu Punin, welches wiederum seinem Schüler nach der Ausbildung die Möglichkeit eröffnete, dort die renommierte Prüfung abzulegen. Allein, in welchem Gebiet genau Hesindion sich, anscheinend weitestgehend im Selbststudium, ausbildete und welche Spielart der Magie der Magister, der wie ich dem Pfad der linken Hand zumindest gefolgt war, pflegte, konnte ich allenfalls vage anhand der Zeichen erahnen, die sich bisher gezeigt hatten. Aber, so wie Hesindion es gesagt hatte, war sein Meister wohl zumindest nicht geizig. Wir einigten uns darauf, dass er meine Bezahlung in Wissen vornehmen würde, da meine finanziellen Mittel derzeit noch ausreichend vorhanden waren. Und ich glaubte anhand des Heptagramms ahnen zu können, dass ich hier genau das erlernen könnte, was ich derzeit dringend suchte. Kenntnisse im Zhayad und die wahren Namen von Dämonen, um das Risiko bei einer Beschwörung zu minimieren. Wofür denn sonst hätte er eine solche Einrichtung in seinem Vorgarten unterhalten sollen?
Im Anschluss führte uns Magister Dergelsaum persönlich über sein Anwesen und klärte uns über die eine, tatsächlich recht simple Regel auf. Wir konnten hier überall hin, nur seinen Turm sollten wir nicht unaufgefordert betreten. Das war normal, auch keiner der Dozenten an der Akademie hätte es zugelassen, dass ein Scholar sich ungefragt in seine Gemächer drängte. Da konnte man noch von Glück sagen, wenn die Tür nur Laut Alarm gab oder man vielleicht zur Steinsäule erstarrte, statt gleich im Feuerball zu explodieren. Das restliche Gelände barg dann noch eine hervorragend ausgestattete Holzwerkstatt, die wohl dem Hobby des Meisters diente. Dazu ein Gäste- und Gesindehaus mit Speise- und Schlafmöglichkeiten sowie einem kleinen, aber sehr gepflegten Park hinter dem Turm, der wohl der Obhut seines Gärtners Tamlin oblag. Dabei hatte er den Ort dieser Heimstatt gut gewählt, denn, wie er erläuterte und sich bei der Nachtruhe zeigte, befanden wir uns an einem Ort der Kraft, an dem nicht nur das Zaubern leichter von der Hand ging, sondern Dere so von astralen Strömen durchdrungen war, dass man auch die verlorene Kraft schneller zurückgewinnen konnte. Faszinierend, so etwas wollte ich auch irgendwann haben! Aber bis dahin würden sicher noch etliche Götterläufe vergehen.
Yazinda war anscheinend nur hier, um so etwas wie eine alljährliche Routineuntersuchung an der Gesundheit des Meisters zu vollziehen. Das war wenig spektakulär und interessierte mich auch nicht weiter, allerdings machte ich mir, natürlich in Abwesenheit des Meisters, einen Scherz daraus sie immer wieder darauf hinzuweisen, dass bei Untersuchungen in diesem Alter die Rektalprobe mit dem blanken Finger zur üblichen vorsorge zählte. Allerdings schien sie mir dies nicht zu glauben, was dann bei rechtem Licht betrachtet wohl auch besser war. Ich mag mir gar nicht ausmalen wie der unvorbereitete Magister darauf reagiert hätte…
Wo liegt das Problem?
Nach der Führung wurde uns noch einmal die Lage im nahen Dorf geschildert, in dem sich seit zwei Monden ungewöhnliche Ereignisse abspielten. Anfangs waren diese noch eher erheiternd oder seltsam, aber mit fortschreitender Zeit wurde es anscheinend immer bedrohlicher. Zuerst hatte es den Schreiner Swafnian, eine thorwalschstämmigen Kerl, erwischt, der nach dem Tavernengang unversehens und unerklärt kopfüber im Abort steckte. Tatsächlich wäre er wohl in den Exkrementen ersoffen, wenn man ihm nicht sogleich aus der anrüchigen Lage geholfen hätte, aber es ging alles nochmal gut wie uns berichtet wurde. Dabei schwor der Tropf Stein und Bein, das es nicht am übermäßigen Zuspruch zum Trunke gelegen war, sondern jemand oder etwas ihn, ohne das er jemand gesehen habe, dort hineingestopft hätte. In der Praiostagsschule waren dann auf einmal, was für ein Hesindefrevel, die Seiten der Bücher leer. Blank wie der Po eines Neugeborenen, bar jeder Schrift. Die Lehrerin Rabenstein hatte keinerlei Erklärung dafür. Dann war da noch der unerklärliche Doppelmord an den beiden Waidmännern, von dem schon der Bauer und seine Frau früher am Tag berichtet hatten. Dies hatte wohl das erste Mal dazu geführt, dass die Dörfler mit Fackeln und Forken vor den Turm des Magisters gezogen waren, aber dank der kräftigen Wachen unverrichteter Dinge wieder von hinnen gingen. Außerdem war ein Praioti, den man zur Untersuchung der Fälle eigens aus Havena herbestellt hatte, einfach mir nichts dir nichts aus der Taverne verschwunden. Sein Hab und Gut sei aber noch da. Und vor zwei Tagen schließlich seien am helllichten Tage die Kinder vor den Augen der untätigen Lehrerin im Gänsemarsch aus der Schule gegangen, hinein in den Farindelwald, ohne dass diese sich hernach erinnern konnte. Wahrlich, das waren seltsame Umstände, die nach der Aufmerksamkeit eines wachen Geistes schrien. Also genau nach mir. Meine Neugier war geweckt. Die Untersuchung der seltsamen Umstände nahm ich mir direkt für den nächsten Morgen vor.
Am Abend wollte ich noch ein wenig Zaubern üben. Nicht nur ein kleiner FlimFlam, der hier tatsächlich leichter von der Hand ging, nein auch den Blitz Dich Find konnte ich üben, da Yazinda sich davon überzeugen ließ, dass es auch der Abhärtung ihres Geistes dienen könnte, wenn man ihn immer wieder mit Magie zu überwinden suchte. Ein gutes Arrangement, von dem ich hoffte noch öfter Gebrauch machen zu können. Alles in allem hatte sich die Situation doch sehr angenehm entwickelt bisher, ein größeres Problem konnte ich noch nicht erkennen. Und mit ein paar wildgewordenen Bauern würde ein gebildeter Mensch wie ich doch noch allemal fertig werden!
Am nächsten Morgen machten Yazinda und ich uns auf den Weg hinunter ins Dorf, nachdem Hesindion uns den Weg gewiesen hatte. Quasi ein Katzensprung, gerade einmal 5 Minuten brauchten wir bei normalem Schritt durch ein Wäldchen hindurch den Hügel hinunter, um zu einer erbärmlichen Ansammlung von folkloristisch angehauchten Bauernhäusern zu kommen, an denen, dem Lokalkolorit entsprechend, allendorten irgendwelche Blumenkästen hingen die in der letzten Blüte des Efferdherbstes standen. Ich schätzte das Dorf auf etwa 100 Seelen, mehr konnten es beim besten Willen wohl nicht gewesen sein. Die einzigen bemerkenswerten Orte hier schienen eine kleine Taverne die dem tumben Landvolk zum Umtrunk diente und ein etwas erhöht liegender Boronanger zu sein. Die Bewohner begegneten uns reserviert bis ängstlich. Entweder nahmen diese armen Menschen einfach Reißaus, als sie meiner schwarzen Robe ansichtig wurden, schlugen hastig die Türen zu als wir vorbei gingen oder erstarrten zu Salzsäulen, wenn wir sie passierten und konnten nicht einmal mehr den höflichsten Gruß erwidern. Solcherart geschnitten begaben wir uns zur Taverne. In selbiger trafen wir dann nicht nur die Wirtin Firinia, eine wenigstens etwas aufgeschlossenere Person, sondern auch eine mehr als seltsame Reisegruppe. Unter der (natürlich!) Führung einer Magierin in der weißen Robe der Elementaristen mit dem roten Symbol des Feuers auf der Stirn, hatten sich ein Landadliger aus Andergast und ein affenartiges, rotbepelztes Wesen auf zwei Beinen, welches ich zuerst als entarteten Orang-Utan identifizierte, dann aber belehrt wurde das es sich um einen Goblin handelte, zusammengefunden. Sie stellten sich als Adepta Junasia, Hagar vom Rosenfels und Argaal vor. Wobei mich insbesondere erstaunte, das dem letztgenannten tierartigen Wesen überhaupt Sprache möglich war. Und dann auch noch rederecht in seinem geradebrechten Kauderwelsch eingeräumt wurde! Zumindest bekam ich in diesem Augenblick eine vage Vorstellung davon, was es hieß, wenn im Codex Albyricus von "im weitesten Sinne kulturschaffenden Zweibeinern" die Rede war. Wobei ja der Kulturbegriff an sich schon einer gewissen Interpretation Bedarf, in der ich mit Sicherheit nicht mit jedem anderen Gelehrten insbesondere der nördlichen Hemisphäre übereinstimmen würde... aber das war eine andere Sache.
Wir tauschten uns aus und stellten fest, dass wir im weitesten Sinne tatsächlich dasselbe Anliegen hatten, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen. Jene andere Truppe war von der Kirche des Praios zur Aufklärung geschickt worden, nachdem einer ihrer Angehörigen verschwunden war. Da sah man gleich einmal wieder, dass es diese Praioti doch nicht so genau nahmen wie sie immer tun. Wen schicken sie los, wenn es mal wieder brenzlig wird? Doch tatsächlich eine Magierin, gegen die man Vordergründig doch so streng vorgehen müsste. Und einen verlausten Fellträger, der daheim in Al‘Anfa höchstens getaugt hätte um Ställe zu misten oder den Kanal zu reinigen. Einzig wie sich der arme wohlgeboren von Rosenfels in diese Gruppe einfügen wollte blieb mir ein Rätsel. Den hätte ich noch am ehesten bei so einer Unternehmung gelten lassen. Er schien ein durchaus ehrenwerter, leidlich gebildeter und durchaus weit herumgekommener Mann zu sein, wie man seinen lebhaften Schilderungen entnehmen konnte. Dabei erfuhren wir auch, warum das Landvolk uns so reserviert begegnete. Die Bauern, denen Yazinda auf dem Herweg noch so freundlich geholfen und sogar die Schwangere fürsorglichst betreut hatte, waren eben diesen drei Gestalten auch begegnet, die dann natürlich nichts Besseres zu tun hatten, als den armen Leuten und dem Dorfvolk hier einzureden, die Frau in Begleitung des Schwarzmagus sei sicher eine böse Hexe und hätte beim Handauflegen das Kind im Mutterleib verflucht oder so. Na Mahlzeit. Da brauchten wir uns nicht wundern, dass der einfach gestrickte Albernier der er nun mal war, sogleich das schlimmste annahm und sich furchtschlotternd in seine Hütte zurückzog. So gesehen hatten wir noch Glück gehabt, dass sie nicht erst mit Zaunlatten und Forken auf uns eingedroschen hatten um hernach erst zu Fragen. Aber das hatten sie sich dann wohl bei meiner respekteinflößenden Erscheinung doch nicht getraut. Gut so...
Außerdem erfuhren wir noch, dass die Leute hier ihre Toten, welche es ja gegeben hatte, nicht bestatten konnten, weil ein ausheben von Gräbern stets wundersam scheiterte. Da brachen Schaufelblätter, bogen sich die Stiele von Werkzeugen oder lösten sich die Axtköpfe, so dass es schlechterdings unmöglich war, ein Loch in den Boronanger zu treiben. Das wollten wir uns dann doch näher ansehen! Deswegen machten wir uns, alle zugleich, auf, dem Friedhof einen Besuch abzustatten. Der Goblin Argaal rannte vornweg, weswegen wir uns genötigt sahen ihm sogleich zu folgen. Nicht das die tumbe Bestie noch Spuren verwischen würde die uns Hinweise liefern mochten.
Erste Ermittlungen
Dort angekommen sahen wir schon wie der Rotpelz sich daran machte im Gras nach Spuren zu schnüffeln. Zuerst wollten wir uns dem Phänomen der Arbeitsgeräte, die den Boden nicht disruptieren konnten, widmen. Ein Selbstversuch bestätigte das Erzählte. Die Mitgebrachte Schaufel eines Bauern, der sich dafür vom Herrn Rosenfels hatte entlohnen lassen, scheiterte daran den Boden aufzustechen und verbog sich auf dem Boronanger. Das außer mir, der ich dies natürlich sofort erkannt hatte, keinem in den letzten Wochen aufgefallen war, dass dieses Phänomen nur hier eintrat und nicht im Rest des Dorfes, wunderte mich schon fast nicht mehr… während also die Anderen noch debattieren und Gesichter zogen wie eine Herde Schafe die nicht wussten ob links oder rechts herum, deduzierte mein Geist sofort die nächste Option. Ich hieß den mitgebrachten Bauern mit der bloßen Hand ein Loch in den Boden zu graben. Der verdutzte Gesichtsausdruck wurde von meiner neuen Anweisung nicht besser, aber siehe da, dies ging. Das Denken war tatsächlich nicht allen anerzogen worden, aber dafür hatte man ja mich hinzugeholt. Dann widmeten ich und Yazinda uns den Aufgaben für Gebildetere, nämlich der Leichenschau. Den Anblick kannte ich ja schon leidlich aus den Medizinkursen der Universität, da hatten wir auch schon den einen oder anderen Kadaver betrachtet. Aber was mich hier erwartete schreckte wohl auch den Abgebrühtesten. Seit vier Wochen verwesten die Leichen vor sich hin und stanken, dass man am liebsten seinen Mageninhalt direkt von sich geben wollte! Nur mein eiserner Wille setzte mich in die Lage, überhaupt den Raum zu betreten und mich den beiden Leichen zu nähern, während der Herr von Rosenfels sich zwar ein parfümiertes Tüchlein vor die Nase hielt, aber doch lieber draußen wartete. Yazinda begann nun die Leichen zu untersuchen und aufzuschneiden. In Beider Augen steckte je einen Pfeil, der am Schaft abgebrochen worden war. Ich hieß sie, die Pfeile zu entfernen und sie mir in einen Beutel zu geben, was sie auch mit großem Geschick tat. Dies steckte ich erst einmal ein. Wer weiß schon, für welche Tinktur man so etwas als Substitut würde gebrauchen können? Manche Tränke forderten ja die seltsamsten Zutaten. Eine weitere Untersuchung der Leichname brachte Schürfwunden zu tage, die aber nicht näher zu spezifizieren waren und an den Oberseiten von Armen und Beinen auftraten. Die Examination mittel Odem Arcanum indes ergab keinen Hinweis auf den Einfluss von Magie. Aber das mochte auch der langen Zeitspanne seit dem Ableben geschuldet sein, ganz sicher konnte man so etwas schwer sagen, aber astrale Muster waren flüchtig und verblassten mit der Zeit. Beim Öffnen der Bauchdecke durch Yazinda wurde mir dann doch noch einmal ganz anders zumute. Von den Organen war kaum mehr als eine erbärmlich stinkende, üble Zersetzungsbrühe übrig. Allerdings, und das bemerkte Yazinda etwas vor mir, war es höchst seltsam keinerlei Käferlarven, Maden, Fliegen oder ähnliches Gekreuch zu finden. Die beiden Leichen hätte davon eigentlich nur so strotzen müssen! Aber es war nicht ein einziges Tierchen darauf zu finden. Höchst seltsam.
In der Zwischenzeit hatten sich der Herr von Rosenfels und die Dame Junasia mit den örtlichen Volksbräuchen vertraut gemacht und der pelzige Geselle Argaal tatsächlich Spuren in den Wald gefunden, wohin die Kinder gegangen sein mochten. Die hiesige Folklore besagte, dass man den Wald nur betreten dürfe, wenn man als Gaben an die Waldwesen Kuchen, Brot und Blumen dabeihätte. Das war ja noch schlimmer als der Aberglaube der Mohas meiner Heimat, die in jedem Baum und lauem Wind gleich irgendeinen Naturgeist vermuteten! Ich wollte direkt losziehen, aber die Anderen befanden, es seien diese örtlichen Torheiten durchaus zu respektieren. Und ohne Führer konnte ich ja schwer in die Wildnis gehen. Zu allem Überdruss hegte man auch noch den Verdacht, ich sei ein Gesandter des Magisters Dergelsaum der nur dabei wäre, um alles zu vertuschen, wollte mich schon von der Expedition ausschließen und stellte mich dann doch „nur“ unter Beobachtung wofür man zwei kräftige Dörfler mitnahm! Empörend! Abgesehen davon, dass diese Maßnahme natürlich völlig sinnfrei war, was dachten sich diese Tölpel denn? Das man einen Magus einfach so mit ein paar Bauern außer Gefecht setzen könnte? Lächerlich!
Auf der Spur
Wir folgten also diesem Goblin durch den Wald, der eine mehr oder weniger große Ordnung auch hier aufwies, und gelangten schließlich, ich muss gestehen die Orientierung hatte ich recht schnell verloren, an einen Findling. Dieser leuchtete und schimmerte in einem güldenen Glanz und entlockte dem begleitenden Landvolk so einige ohs und ahs. Ich jedoch, nachdem ich die erste Überraschung rasch überwunden hatte, deduzierte eiskalt den magischen Einfluss, der auf den Stein herrschen musste. Da brauchte ich noch nicht einmal großartig analysieren, dies war ohne Zweifel eine grandios gewirkte Art des Aureolus-Cantums, den ich ja auch selbst beherrschte und der einem am Fürstenhof durchaus den ein oder anderen Dukaten einbringen konnte. Allein die Herkunft… es stellte sich aber schnell heraus, dass der Goblin wohl, auf welchem verschlungenen Wege auch immer, ein Objekt in seinem Besitz hatte, welches diesen Zauber hervorrief. Unglaublich, was für eine Verschwendung! Vorzeigen wollte er das Artefakt allerdings nicht. Im Geiste machte ich mir Bereits eine Notiz für später, ihn von diesem Gegenstand befreien zu müssen.
Weiter führte unser Weg zu einem nicht einmal sonderlich hohen, dafür aber einigermaßen steilen und rutschig aussehendem Hügel. Anstatt darum herum zu gehen wie es ein vernünftiger Mensch täte und ich vorschlug, machten sich auf einmal alle daran den Hügel erklimmen zu wollen als ginge es hier um die Bezwingung des Ehernen Schwertes. Und damit nahm das Drama seinen Lauf. Wir kletterten mehr oder weniger behände den Hügel hinauf und den meisten gelang es auch recht ordentlich. Die Ausnahmen bildeten, zu meinem echten erstaunen, der Goblin Argaal, der heftig ins Rutschen geriet, mich dann mit sich in die Tiefe riss und sich dabei auch noch ins blank ohne Scheide im Gürtel getragene Schwert (wie dumm muss man eigentlich sein???) des Herrn von Rosenfels stürzte, weil er diesen ebenfalls mit nach unten zog. Wir prellten uns ordentlich den Steiß, und der verwanzte Rotpelz trug auch noch einen tiefen Schnitt davon, den sich die Medica Yazinda, nachdem wir mit Seil dann doch oben angelangt waren, erst einmal ansehen und einen Verband anlegen durfte. Dieser Leichtsinn in Verbindung mit der Tollpatschigkeit des Rotpelzes hätte durchaus noch schlimmer ausgehen können! Andererseits, es wäre ja nur ein Goblin gewesen, also kein Grund sich darüber weiter Gedanken zu machen. Allerdings war das noch nicht der letzte seltsame Vorfall des Tages. Während Yazinda sich noch um Argaal kümmerte, begann auf einmal der Herr von Rosenfels sich seltsam zu benehmen. Entweder halluzinierte er, hatte Rauschkräuter genommen, ohne dass ich es bemerkt hätte, oder um seine geistige Gesundheit stand es nicht zum Besten. Denn auf einmal erzählte er etwas von einem weißen Wolf den er gesehen und der ihn gewarnt hätte, nachdem er ihm die mitgebrachten Blumen dargebracht habe. Schade, bisher schien er mir eigentlich noch eine ganz annehmbare Gesellschaft gewesen zu sein. Aber vielleicht wären hier doch die Noioniten angebracht. Ich würde ihn im Auge behalten müssen. Dann setzten wir unseren Weg, den Spuren der Kinder weiter folgend, fort. Argaal führte uns zu einer Lichtung mitten im Nirgendwo, auf der ein einzelner Baumstumpf stand. Höchst merkwürdig, waren wir doch ein gutes Stück in den Wald hinein gegangen. Kein vernünftiger Holzfäller würde hier, wegen einer einzelnen, wie sich herausstellte Eiche, einen Einschlag beginnen, wo es doch so viele andere Bäume näher an Wegen oder dem Dorf gab. Allein der Transport des Baumes hätte mindestens ein kräftiges Rückepferd und einen immensen Aufwand bedeutet. Erneut schien der Herr von Rosenfels entrückt, und wieder faselte er etwas von seinem Wolf, der ihn gewarnt hätte, dass gleich ein großes Übel passieren würde. Und dann scheuchte er uns furchtsam von der Lichtung. Wir müssten eine alte Hexe aufsuchen, eine lokale Legende, die ein Wächter dieser Wälder sei und der die Dörfler jedes Jahr an einem Schrein zu einem bestimmten Tage opferten um sie gewogen zu machen… hatte ich eigentlich schon die parallele dieser seltsamen Menschen hier mit den abergläubischen Mohas erwähnt? Die opferten ja auch, statt wie jeder vernünftige Mensch den Zwölfen, lieber irgendwelchen Waldgeistern. Und dass nun hier im ach so zivilisierten Mittelreich? Soweit konnte das wirklich nicht her sein mit der Bildung, aber dieser Gedanke war mir ja schon öfter gekommen und wurde stets aufs Neue bestätigt… mit diesen Erkenntnissen machten wir uns auf, zurück ins Dorf. Dabei konnte ich es mir nicht verkneifen, Yazinda auf den nunmehr verpassten Untersuchungstermin bei Magister Dergelsaum hinzuweisen, was die Dame, als sie ihres Fehlers gewahr wurde, sichtlich erschreckte.
Zurück im Dorf
Als wir zurück kamen um Rapport zu erstatten erwartete und selbiger auch schon, wieder auf der Terrasse sitzend, diesmal jedoch in eine ordentliche Robe gekleidet. Ich erstattete meinen Bericht, den der Magister auch neugierig aufnahm. Anschließend zog er sich mit Yazinda allein zur Untersuchung in seinen Turm zurück, während ich das Buch hielt, welches er bis zu unserer Ankunft gelesen hatte. Die Zeit konnte ich genauso gut nutzen… ein kurzer Blick in das Werk zeigte mir, dass es sich mit der Animatio-Thesis befasst. Das passte eindeutig ins Bild eines Magomechanikus. Ich überflog die ersten Seiten bis zum Abschluss der Untersuchung. Sehr spannend, aber natürlich hätte es eines deutlich intensiveren Studiums bedurft um daraus mehr als ein paar Oberflächliche Erkenntnisse über einen Zauber zu ziehen, der mir bisher außer dem Namen nach vollkommen unbekannt war. Yazinda hatte kaum den Turm verlassen und sich zu mir auf die Terrasse gesellt, da hörten wir einen gewaltigen Donnerschlag vom Dorf her ertönen und eine Rauchsäule in den Himmel aufsteigen. Was war das denn? Hatten diese einfachen Menschen hier ein Militärmagazin mit Hylailer Feuer versteckt das explodiert war? Denn so sah es zumindest aus. Aber das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, war doch weit und breit keine Garnison zu sehen gewesen. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.
Wir beschlossen hastig, dem ganzen auf den Grund zu gehen und trabten in unziemlicher Hast erneut los hinunter zum Dorf. In kürzester Zeit erreichten wir den Saum der Siedlung und erkannten sofort den Ursprung des Lärms. Bei einem am Rande des Dorfs gelegenen Bauernhof war eine Art turmförmiger Kornspeicher in Brand geraten und explodiert, die darin eingelagerten Wintervorräte, offensichtlich Mais den bei uns daheim gerade einmal die Sklaven als Brei zu fressen bekamen, hatten sich weiträumig verteilt und der verbliebene Inhalt begann sich, auf wundersame Weise, in kleine, weiße fluffige Wölkchen zu verwandeln. Das hatte ich bisher noch nie gesehen. In weitem Umkreis begannen diese Wölkchen den Boden zu bedecken, während es aus dem Speicher immer wieder vernehmliche Plopp-Geräusche gab, der daraufhin mehr dieser Wölkchen ausspuckte wie ein kleiner Vulkan. Von allerorten rannten die Bewohner des Dorfs herbei, bewaffnet mit Eimern und Decken, und auch die drei Gestalten mit denen wir vorhin in den Wald gezogen waren hatte ich schnell im Trubel ausgemacht. Aus dem neben dem Silo gelegenen Bauernhaus, auf das die Flammen glücklicherweise noch nicht übergegriffen hatten, zogen sie dann auch einen Toten. Man sagte mir, er sei der Besitzer des Anwesens, Bauer Rik, und man habe ihn mit einer Lampe zu seinen Füßen tot auf seinem Bett sitzend gefunden. Das erschien mir seltsam. Gut, er war an Rauchvergiftung gestorben wie die Medica meinte, aber warum war er nicht einfach aus seinem Haus heraus gegangen? Und was sollte die Lampe? War er des Lebens überdrüssig geworden und hatte beschlossen den Freitod zu wählen? Sein Eigentum in Flammen zu setzen und dann Borons Umarmung im eigenen Bett zu erwarten? Das war zwar nicht völlig auszuschließen, wäre jedoch beim einfachen Volke keine allzu verbreitete Einstellung. So etwas hätte ich eher bei einem Priester erwartet, einem Attentäter oder einem Kultisten. Aber hier? Ich schor dem armen Kerl das verflilzte Haupthaar um zu sehen ob er niedergeschlagen worden war, aber er hatte weder Beule noch Rötung am blanken Schädel. Die Haare steckte ich vorsichtshalber ein, man wusste ja nie wofür man sowas mal brauchte. Ich dachte mir, in einem Elixier der Feuerunempfindlichkeit könnte man sowas schon nutzen. Adepta Junasia war derweil zu nichts zu gebrauchen. Die Dame blickte nur mit seligem Blick in die Flammen, als würde sie darin etwas Heiliges sehen, und nahm ihre Umwelt kaum war. Der eilig auf den Bauern gewirkte Odem Arkanum, denn Zeit war jetzt ein entscheidender Faktor bevor eine mögliche Spur verblassen würde, brachte Licht ins Dunkel. Ein Beherrschungszauber, gewirkt in so etwas wie schelmischer Repräsentation, hatte wohl dieses Verhalten hervorgerufen. Ich war erstaunt. Nicht nur, dass ich diese mir eigentlich unbekannte Repräsentation so klar erkennen konnte. Nein, waren doch Schelmenzauber wie man sagte üblicherweise zum Spaße gedacht, und nicht zum Mord. Und eine Beeinflussung des Geistes, die den gesunden Menschenverstand und Selbsterhaltungstrieb aussetzte, das war schon hohe Kunst. Ich beherrschte ja selbst den Bannbaladin, daher kannte ich mich damit ein bisschen aus. Aber so etwas? Das müsste ja eher die mir nur aus der Theoretika bekannte Imperavi-Formel gewesen sein, und die dürfte es in einer schelmischen Variante mit Sicherheit nicht geben. Dachte ich zumindest. Alles sehr rätselhaft.
Beim Löschen des Brandes war ich keine große Hilfe. Und die Anderen beschlossen, das es nun dringlichst an der Zeit wäre diese Hexe aufzusuchen. Daher schloss ich mich erneut dem zusammengewürfelten Tross an. Auf dem Weg kamen wir bei der Dorfschulzin Niamh vorbei, welche, wie man mir sagte, noch die Schäfte der abgebrochenen Pfeile aus den Augen der Jäger hätte. Diese lies ich mir bringen um sie noch vor unserem Aufbruch schnell zu untersuchen. Nun ja, ich war weder Bogner noch Schreiner, aber jemand anderes bemerkte, dass einer der Pfeile seltsam war, wenn man ihn mit dem zweiten verglich. Meine erste Theorie mit nagrachischen Freipfeilen war schnell dahin. Und die Dame Junasia war auch recht ungehalten darüber, dass ich den Namen des Erzdämon so frei und unbefangen aussprach. Der Pfeil also war irgendwie, bei genauerer Betrachtung, nicht wie von Menschen gemacht. Die Federn schienen direkt aus dem Holz zu wachsen, die Spitze wie mit dem Schaft verschmolzen (nachdem ich das noch daran befindliche Auge entfernt hatte) und nicht wie sonst üblich verleimt. Die Umwicklung schien eher reine Zier oder zur Irreführung. Wer konnte so etwas machen? Ein Elementar? Man kannte ja Geschichten von Dschinnen, die Gänge und Paläste wie aus dem Fels heraus wachsen ließen. Dies Bestätigte auch Junasia, die sich wohl von Drakonia her mit so etwas auskannte. Mich aber, als ich ein Interesse andeutete, partout nicht mit dorthin nehmen wollte. Einig waren wir uns nur darin, dass der Pfeil durchaus magischer Herkunft sein konnte.
Auf zur Hexe
Wir waren kaum einige Minuten aus dem Dorf heraus, da kehrten wir noch einmal um. Unsere Führerin, die wir extra mitgenommen hatten, beschied nämlich, dass auch die Mordwaffen, die beiden Bögen der Jäger, noch bei der Dorfschulzin waren. Warum musste man diesen dummen Menschen eigentlich alles aus der Nase ziehen und konnte nicht einmal etwas Eigeninitiative erwarten? Sogleich gingen wir zurück, besahen die Bögen. Ja, auch hier war einer wie gewachsen, die Leimschichten (wie man mir sagte, ich selbst habe ja keine Ahnung von Bögen), die nötig wären um dem Bogen Stabilität zu verleihen nur oberflächlich angedeutet wie als Scharade. Und wir konnten ihm dem Fallensteller zuordnen, der ja üblicherweise gar keinen Bogen brauchte. Auch dieses Objekt nahmen wir als Beweis mit. Der Magister Dergelsaum hatte ja eine Holzwerkstatt, vielleicht könnte er näheres dazu sagen, wenn wir zurückkämen. Dann gingen wir erneut in den Wald, nicht ohne dass sich von Rosenfels und Co wieder mit Brot, Kuchen und diesmal einem ganzen Geranienkasten (es sollten lebende Blumen sein!) ausstatteten. Man mag es kaum glauben…
Wir kamen beim „Schrein“ an. Einer bloßen Anhäufung von Feldsteinen. Wie erbärmlich. Und ab hier begann die ganze Geschichte ins unangenehme zu kippen. War es bisher einfach nur interessant und eine Herausforderung, begann ich nun mehr und mehr mit meinem Schicksal zu hadern. Nicht nur, dass das Wetter Umschlug und es zu regnen begann wie aus Eimern (immerhin hatten wir Zelte dabei), und es kalt und neblig war. Zu allem Übel war auch das Feuer welches wir entfachten eine Lächerlichkeit, die den Namen nicht verdiente. Warum? Diese Spinner die mich begleiteten, bestanden darauf, kein Holz von den Bäumen zu brechen um die Waldgeister nicht zu erzürnen. Gut es hätte eh keiner eine Axt dabeigehabt um ordentlich Holz zu machen, aber trotzdem… und auch hier war der Wald wie aufgeräumt, so dass kaum etwas auf dem Boden lag das man hätte verschüren können. So saßen also Junasia und ich zitternd in unserem Zelt, eingehüllt in unsere Decken und versuchten, in einer lausigen Nacht etwas Schlaf zu finden. Als ich mich über das widerliche Wetter beklagte wurde mir nur Häme zuteil und dass es hier bald noch viel kälter würde, ja gar Schnee sollte es demnächst wohl geben. Junasia, die wie ich wohl eher der Wärme zugetan war, schlotterte ebenfalls, und wir beide beschlossen, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit in den Süden zu ziehen wo man angenehmes Klima erwarten konnte. Scheiß auf die selemitischen Schergen die mich suchten oder rachsüchtige Magierinnen aus Fasar. Bevor ich mir hier den Arsch abfrieren würde, nähme ich es lieber mit diesem ganzen Pack auf einmal auf!
Mitten in der Nacht, es war wegen Regen, Nebel und der mangelnden Befeuerung kaum etwas zu sehen, erklang auf einmal ein Alarmruf. Wie aus dem Nichts war eine bucklige, hässliche Alte gekommen, anscheinend tatsächlich die gesuchte Hexe, die sofort begann den mitgebrachten Kuchen und das Brot in sich hineinzustopfen. Ich folgte der sich entspinnenden Unterhaltung, um meine eigenen Schlüsse zu ziehen, beteiligte mich aber kaum daran. Hexen… diese ungebildeten Naturzauberinnen mochten einem auch genauso gut den blanken Unfug erzählen, da musste jemand mit klarem Geist erst einmal Märchen von Wahrheit und Aberglaube von Tatsachen scheiden ohne gleich alles zu glauben! Die Alte warnte uns also vor einem mysteriösen Bösen (war ja klar), dessen Name unbekannt sei, aber das kein Dämon war. Der „junge Magier aus dem Turm“ (damit meinte sie wohl Hesindion), hätte es freigelassen, als er den Wächterbaum gefällt und direkt vor Ort zu einer hölzernen Statue verarbeitet hätte. Dabei habe er Linien in den Waldboden gemalt, aber es sei ihm wohl misslungen. Auf jeden Fall sei ihm seine Statue dann weggelaufen. Hesindion ein Golembauer? Und das noch in der Ausbildung? Ich war baff, das hätte ich ihm nie zugetraut. Auf der anderen Seite erklärte das auch so einiges. Die Holzwerkstatt des Magisters war vielleicht doch nicht nur ein Freizeitvergnügen. Die Ausbildung im Selbststudium in der, wie es schien, Hesindion mehr ein Kraftspeicher für seinen Meister als echter Schüler war. Die tumben maskierten Wächter und Diener des Herrn Dergelsaum… da musste ich noch einmal genau drauf achten. Dann zog die Hexe eine leuchtende Laterne hervor und lies tatsächlich eine etwa Spanngroße Blütenfee aus dieser heraus.
Meine erste Fee
Wunderschön anzusehen und faszinierend umschwirrte uns das kleine Ding, bevor es sich niederließ und eine Geschichte erzählte. Das böse Wesen hätte in unserer Welt die Gestalt eines kleinen Mädchens, nicht größer als der Rotpelz Argaal, und brächte mit seiner Zauberkraft Menschen dazu, schlimme Dinge zu tun. Der gefällte Baum stand als eine Art Sicherung auf dem Tor zu seiner Welt, einer finsteren Festung, und der Übergang sei nur einmal am Tag für 5 Minuten eine Stunde nach der Mittagsstunde möglich. Danach sei man in seiner, oder es in unserer Welt für einen Tag gefangen, wenn man den Übertritt gewagt hätte. Aber es könne sich lediglich in den Wäldern bewegen. Dafür entführe es immer wieder Menschen in seine Welt, um diese zu seinen Dienern zu machen. Seine Kräfte wären quasi riesig, wie man ja auch schon an den bisherigen Taten sehen konnte, unterschieden sich aber zwischen beiden Welten, weswegen man es besser nicht direkt konfrontieren sollte. Und wenn, dann besser in seiner als in unserer Welt. Wenn es seine eigene Welt manipuliere schaffe es dort Regeln, an die es sich auch selbst halten müsste und die man dann gegen es wenden könnte. An dieser Stelle sprang die Hexe wieder ein. Sie kenne das alte Ritual um das Siegel wieder herzustellen und das Wesen aus Aventurien auszusperren, ja würde uns auch gerne helfen. Was, so vermutete ich zumindest, nicht reiner Altruismus war, sondern vermutlich eher der Sicherung ihres eigenen Refugiums diente. Aber dazu benötige sie einen persönlichen Gegenstand oder einen Teil des Wesens.
Gut, das kannte ich, ein magischer Fokus wird für solche Dinge ja oft herangezogen. Je stärker das Objekt sei, umso länger würde der neue Wächterbaum dann auch halten. Da schwebten mir natürlich direkt ein paar Dinge vor… worauf es dann später herauslaufen würde, hätte ich mir aber bei weitem nicht zu träumen gewagt. Ein Körperteil, der wahre Name, ja, aber dann… nein, ich würde hier der Erzählung sonst vorgreifen. Das Wesen sei einst ein Mensch gewesen, der aber von einem Kobold zur Macht verführt und verdorben worden war (aha, daher also dieses böse Schelmische), und irgendetwas war auch noch mit einem Biestling. Das hatte ich dann nicht ganz verstanden, weil die Hexe so nuschelte und herumschwurbelte. Aber unsere Aufgaben waren nun wenigstens klar. Wir mussten die entführten Menschen (insbesondere die Kinder, bei dem Praioti würde ich wohl erst einmal schauen…) retten, den Fokus für das Ritual besorgen, uns dabei nicht erwischen und töten lassen und schließlich das Siegel wieder herstellen. Das hörte sich doch, wenn auch etwas wirr, gar nicht einmal so schwer an. Damit verließ uns die alte Fettel und wir blieben in einem Unwetter zurück, das langsam begann auch in die Zelte zu dringen.
Junasia wich angsterfüllt vor dem hereinkommenden Wasser zurück und schlotterte am ganzen Leib. Sie mochte das nasse Element wohl wirklich nicht, aber bei einer Feuermagierin mochte das noch nicht einmal so verwunderlich sein. Am nächsten Morgen machten wir uns im schlimmsten Regen auf den Rückweg. Junasia bestand darauf nicht nass zu werden. Da ein Mantel jedoch nicht zur Verfügung stand beschlossen wir zu zweit das Zelt wie einen übergroßen Regenschirm zu nutzen, wobei uns der Herr von Rosenfels unterstützte. Ich wusste nicht warum, aber der Rückweg war furchtbar. Anscheinend hatte sich der ach so spürsichere Goblin im Weg vertan. Ich war aber auch selbst schuld, so einem halben Tier die Führung anzuvertrauen statt selbst das Kommando zu übernehmen! Diese Aberration muss am Wetter gelegen haben. Also irrten wir durch den Wald, rutschten, schlitterten und schleppten uns über einen endlosen Umweg zurück, im schlimmsten Wetter das man sich vorstellen mochte. Als wir den Wald verliesen hörte das Unwetter schlagartig auf. Wie mit dem Lineal gezogen durchschritten wir eine Grenze, hinter der es keinen Tropfen regnete. Das war unheimlich und auch deswegen wollte ich baldmöglichst in wärmere Gefilde, nach Hause.
Des Übels Ursprung aufzudecken
Yasinda und ich erstatteten erneut Bericht bei Magister Dergelsaum. Am Turm angekommen war ich diesmal aufmerksamer. Ja, die Wächter waren unnatürlich Steif, wenn man es genau betrachtete. Ein Mensch zuckte doch bisweilen zumindest, oder wechselte das Gewicht von einem aufs andere Bein, wenn er länger stand. Diese nicht… Wir wurden in den Empfangsraum des Turms gebeten und gaben unsere Erkenntnisse weiter. Ich hatte Yazinda vorher eingeschärft mich reden zu lassen. Das musste behutsam angegangen werden. Hesindion wurde herbeizitiert, und tatsächlich schien er, in seinem Eifer dem Meister zu gefallen, bei seiner Unternehmung etwas übers Ziel hinausgeschossen zu sein. Zur Strafe musste er in der Bibliothek ein paar Bücher abschreiben. Den Magister überzeugte ich, dass es wohl besser wäre die Dörfler noch zu entschädigen um Ärger zu vermeiden. Und wir kamen überein, dass der Praioti wohl nicht zwingend zu retten wäre, denn dann käme es sicher zu einer unangenehmen Untersuchung, die weder der Magister noch ich unbedingt wollte. Um die weiteren notwendigen Schritte sollten wir uns kümmern, dafür stellte er uns erneut eine Belohnung in Aussicht. Jetzt waren wir ja eh schon dabei, insofern hätte es keinen Sinn gemacht auf halbem Wege die Arbeit abzubrechen. Und Neugierig war ich ja auch ein wenig, wie sich das weiter entwickeln würde. Hätte ich da gewusst, was jetzt noch passieren sollte, ich hätte mich wohl anders entschieden…
Da wir wieder in den Wald mussten, und das ganze bis Mittag, lieh er mir noch einen Ledermantel gegen das Wetter und auch Yazinda erhielt etwas passendes vom unglücklichen Hesindion. Außerdem sollte uns einer der Wächter begleiten und auf unsere Anweisungen hören. Das war praktisch, so ein paar Muskeln zusätzlich konnten nicht Schaden fand ich. Aber mit dieser Meinung war ich anscheinend allein… den als wir ins Dorf zurück kamen wollten die anderen den Schutz nicht einmal. Wir debattierten, aber am Ende schickte ich die Wache wieder zurück zum Turm. Dabei beobachtete ich sie genau und spähte durch die Augenschlitze der Maske. Tatsächlich, leichte Verzögerung bei der Umsetzung von Befehlen, keine echten Augen, hölzerne Gesichtszüge… ein waschechter Golem. Ich war begeistert! Kein Wunder das der Magister ihre Gesichter hinter Masken verstecken musste, das hätte bei den Leuten im Dorf sogar ohne Praioti wahrscheinlich einen Aufstand gegeben. Und nun war mir auch klar, was mit seinen wohl einst immensen arkanen Kräften geschehen und warum er nun auf die Hilfe seines Schülers angewiesen war. Das Schaffen solcher Kreaturen musste unglaublich kraftraubend sein, ähnlich wie der Artefaktenbau. Und wer mochte schon sagen, wie viele dieser Wesen Magister Dergelsaum in seinem langen Tun schon zum Leben erweckt hatte? Ein grandioser Magus, fürwahr!
Auf ins Reich der Feen
Dann gingen wir, wieder alle zusammen, zurück zum Stumpf der Eiche, der das Tor in eine andere, verrückte Welt war. Der Plan war simpel. Wir würden uns alle verstecken, warten bis das Wesen seinen Bau verließ um dann hinter seinem Rücken in sein Domizil vorzudringen. Beim Verstecken würde ich freilich Hilfe benötigen, das war weder Ausbildungsinhalt gewesen noch geziemte es sich für einen aufrechten Magier, sich wie ein gemeiner Dieb zu verstecken, selbst wenn es bisweilen unumgänglich war. Aber der Herr von Rosenfels sicherte mir zu, mir dabei behilflich sein zu können. Wie er als Adliger aber zu seiner solchen Fertigkeit gelangt sein mochte, erschloss sich mir dann doch nicht ganz. Vielleicht beim Versteckspiel mit irgendwelchen Hofdamen in den Labyrinthen irgendwelcher Lustschlösser? Das würde zumindest zu ihm passen, ihm haftete etwas an, das mich an die Schwerenöter vom Silberberg erinnerte. Beim Goblin wiederum wunderte es mich nicht, dass er Erfahrung im Verstecken haben sollte. Das passte ganz hervorragend zu der kleinen pelzigen Ratte. Auch einigten wir uns darauf, dass keiner der Namen der anwesenden Personen richtig ausgesprochen werden sollte, um dem Wesen nicht unnötig die Möglichkeit zu geben Macht über uns zu erlangen. Da mochten die Gesetze seiner Welt durchaus andere sein als die in unserer Welt. Als alles bereit war, ich lag in einer Erdkuhle, einen braunen Mantel über mich gebreitet, hieß es abwarten. Damit hatte Argaal, der ständig herumzappelte und hampelte wie ein kleiner Vorschüler, wohl so seine Probleme. Aber als das Wesen erschien, waren alle gut versteckt. Mit einem Mal, ich war wohl kurz etwas abgelenkt gewesen, stand es auf der Lichtung. Ein hübsches Mädchen von vielleicht 9 Jahren, das einen zerzausten braunen Bären im Arm trug. Ein ganz und gar nicht bedrohlicher, eher reizender Anblick, der mich unwillkürlich an meine Schwester denken ließ. Gerade dies, hatte uns die Hexe eingeschärft, sollten wir im Kopfe behalten. Einen Anker, der uns mit unserer Welt verband, eine Emotion, eine Erinnerung, die uns immer daran gemahnte, zu welcher Welt wir gehören würden. Nicht das Rationale würde uns hier davor retten, uns selbst zu verlieren, sondern das, was uns im innersten ausmachte. Und bei mir war dies meine Schwester Liliana, die ich wohl am schmerzlichsten vermisste, seit ich in die Fremde gezogen war und deren Bildnis und Haarlocke mein teuerster Schatz waren, den ich stets bei mir trug.
Nahe dem Irrsinn
Der erste der losrannte als das Kind außer Sicht war, man hätte es sich denken können, war der zappelige Argaal. Nach und nach sah ich in kurzen Abständen die Anderen aus ihren Verstecken aufspringen und auf den Baumstumpf zueilen. Der letzte war ich, da ich zur Sicherheit noch einige Herzschläge abzählte, ob das Wesen nicht doch zurückkäme. Aber dem war nicht so. Also machte auch ich mich auf. Vor mir verschwanden meine Begleiter einer nach dem anderen, als sie den Stumpf erreichten, mit einem Plopp und Lichtblitz im Nichts. Dann war auch ich heran, sprang… und fiel. Und damit begann für mich ein Martyrium, in einer Welt, der ich die Realität gar nicht absprechen will, die aber jeder geordneten Logik die ein klardenkender Verstand nun einmal braucht, völlig zuwiderlief. Die Welt um mich herum schien sich zu verzerren, dann war es dunkel, nur das Gefühl zu fallen blieb für eine kurze Zeit, bevor ich hart auf dem Boden und der Extremität einer anderen Person aufschlug. Das nächste was ich vernahm als ich mich hochrappelte war das schlagen von Feuerstein auf Stahl. Ein Lichtfunke wurde größer und Argaal entzündete eine Laterne, die er wohl im Gepäck mitgeführt hatte. Sehr gut, dann brauchte ich mich schon einmal nicht darum zu bemühen. Ich war noch ein wenig benommen, konnte aber klar erkennen, dass wir uns in einem Raum wiederfanden, der nicht mehr und nicht weniger als eine Besenkammer war und durch dessen Decke!!! wir anscheinend gefallen waren, obwohl dort weder Luke noch Tür zu erkennen war. Kein protziges Tor, keine mysteriöse Tür, kein Portal, nein, einfach ein dreckiger Putzraum. Um die These des Fallens zu testen hob ich einen Eimer auf, schleuderte ihn mit aller Kraft nach oben und er verschwand tatsächlich in der Decke, nur um kurz hernach wieder herunter zu fallen. Dies war also unser Ausgang, das galt es sich zu merken. Unterdessen hatten die Anderen sich an der einzigen Tür der Kammer zu schaffen gemacht. Man hörte von draußen etwas, das wie Hufgetrappel klang. Argaal und Hagar, die das spähen übernahmen, zischten überrascht etwas von einem aufrecht gehenden Esel in Plattenrüstung. Die beiden waren dann wohl auf dem Kopf gelandet beim Fallen wie es schien. Als es ruhig wurde, man hörte eine Tür gehen, verließen wir die Kammer. Vor mir öffnete sich ein großer, rechteckiger Saal mit einem Säulengang in der Mitte, Tischen die zu einer Art Tafel zusammengestellt waren und Fenstern durch die diffuses Licht herein drang. In den Ecken sah ich Brunnen und zwei Flügeltüren führten an den Stirnseiten hinaus. Alles in allem machte es einen völlig überdimensionierten Eindruck. Während sich jeder seiner eigenen Erkundung widmete wagte ich einen Blick aus dem Fenster. Im trüben Licht, die Praiosscheibe war nicht zu sehen, nur graue Wolken, sah ich in einen Burghof von sicher 50 auf 100 Schritt hinunter, eine Uhr! (ein seltenes, mechanisches Meisterwerk), zierte eine der Wände und ein Tor führte aus der Burg heraus. Was ich bei dem Tor sah, forderte das erste Mal meinen Verstand und mein Begreifen heraus. Da waren tatsächlich mehrere schwarze, gerüstete und bewaffnete, aufrecht gehende Esel statt richtiger Wachen! Erst weigerte sich mein Geist, dies als Wahrheit anzuerkennen, aber sehen heißt glauben, und ich musste schlucken. Wo waren wir hier hingeraten?
Mangels besserer Alternativen wurde beschlossen, dem Esel der gerade durch den Saal gekommen war zu folgen. Irgendwohin musste das seltsame Wesen ja gehen, und vielleicht würde es uns an einen Ort führen der uns weiterbringen konnte. Im Gang hinter der Flügeltür hingen dutzende Bilder die einen großen, stämmigen Mann mit schwarzem Schnauzbart zeigten: den Imperator. Wer so viele Bilder von sich selbst aufhing, die geschmacklich auch noch höchst fragwürdig waren, musste sehr von sich selbst überzeugt sein. Ich meinte, ganz ehrlich, der Stil entsprach mehr den alten eslamidischen Malereien vergangener Jahrhunderte und war wirklich zeitlos hässlich! Der Esel war zum Glück schon weitergegangen, auf eine Begegnung legten wir erst einmal keinen Wert. Die ganze Sache wirkte zwar surreal, aber seine Rüstung und Waffen, er trug Schwert und Hellebarde, deswegen nicht weniger bedrohlich. Keiner von uns hatte Lust es auf einen Versuch ankommen zu lassen.
Nun mochte meine Magie hier durchaus noch funktionieren, aber wie und mit welchen Nebeneffekten? Ich war hin und hergerissen einen Test zu wagen, schon allein aus wissenschaftlicher Neugier. Der Weg zur 7. Sphäre mochte hier sogar kürzer sein als nach Dere und das Beschwören von Dämonen sogar leichter, aber ob Junasis Elementarzauberei fernab der dritten Sphäre ebenfalls noch ausreichend stark wäre, wollten wir noch nicht ausprobieren. Wahllos öffneten wir eine der vom Gang abgehenden Türen und fanden uns unvermittelt in einem Alchemistenlabor. Das an sich wäre ja noch angegangen, aber dann erblickte ich den Alchemisten selbst. Eine Schlange, die sich auf uns zuwand, aufrichtete, uns Ansprach und sich als Xsasa vorstellte. Mein Hirn machte einen Satz in die hintersten Winkel des logischen Denkens, ich war erst einmal sprachlos. Was sollte das! Ich wollte so schnell wie möglich weg von hier, dorthin wo die Gesetze Khas richtig galten! Ich hatte mich noch kaum gefangen, da begannen meine weniger gebildeten Begleiter schon eine Konversation mit dem seltsamen Ding und tischten ihm Geschichten und Lügenmärchen auf, das sich die Balken bogen. Offensichtlich fiel es Leuten, die von einfacherem Gemüt waren auch leichter, Dinge die einfach nicht zu sein hatten zu akzeptieren, wie sie waren. Das mochte daran liegen, dass es ihnen eben gerade nicht vergönnt war, allem auf den Grund gehen und die Dinge hinterfragen zu wollen, sondern sie einfach so zu nehmen wie sie ihrer ansichtig wurden. Gut, so hatte das ja auch zu sein in einer Welt, in der die Götter eine Ordnung vorgegeben hatten. Das einfache Volk hatte seinen Platz, und den sollte es behalten. Da half einem das Hinterfragen auch nicht weiter, das stand eben nur den Gebildeten und Hochgeborenen zu. Insofern mochte es einem nutzen, nicht alles verstehen zu wollen, um sein Glück zu finden. Aber ich? Ich war nun einmal von der Vorsehung dazu außersehen mehr als der Rest zu verstehen. Und genau deswegen hatte ich nun meine Probleme mit dem unverständlichen. Es war schlichtweg zum Verzweifeln! So musste sich der Insasse eines Noionitenklosters fühlen, der den Verstand und die Hoffnung schwinden fühlte. Immerhin war ich nach einigen Augenblicken der inneren Sammlung wieder Aufnahmefähig und bekam mit, was uns diese durchaus geschwätzige Schlange mitzuteilen hatte.
Wenigstens die Fakten wollte ich meinem gepeinigten Geist zuführen um sie später vielleicht doch analysieren zu können. Der Imperator kehrte alle 6 Stunden, die man draußen an der Uhr ablesen konnte, zurück oder ging. Das war es dann wohl, was in unserer Welt einem Tag entsprach, wenn man die Geschichte der Blütenfee bedachte. Es kamen wohl immer wieder einmal Menschen wie wir hierher, die sich dann „Ihr Fell erst verdienen“ mussten. Solange wäre uns die Bewegung im Schlosse verwehrt. Die Aufgabe der Alchemistenschlange war es, dem Imperator wohlschmeckende Tränke zu brauen. War ich hier in einem Labor oder einer Schnapsküche? Die Zutaten, Phiolen und Tiegel waren alle mit für mich nicht lesbaren Symbolen beschriftet, so dass mir der Inhalt unklar blieb. Auf die Frage, wie man am besten die Gemächer des Imperators erreichte, fragte uns die Schlange erst nach dem Datum (ich gab den 22. Efferd zur Auskunft), woraufhin wir eine verwirrende Abfolge von Stockwerken, Treppen, Zimmerfluchten und Wegen beschrieben bekamen, deren Lage und Position zueinander, sowie die Aufgabe der einzelnen Stöcke sich ja mit dem Datum ändere. Mir schwirrte der Kopf. Von der 22 in die 8 zur 3 über die 5, aber die 11 hätte heute ja frei und die 14 sei gerade der Kerker? In meinem Geist schoben sich die Stockwerke des Schlosses auf einmal wild unter- über und durcheinander, begannen Treppen sich zu verbiegen und ich verstand… gar nichts mehr. Der Ausdruck in meinen Augen muss wohl dem blanken entsetzen recht nahegekommen sein, oder einfach bar jeglichen Verständnisses. Und so war es ja auch. Ich verspürte große Lust meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen, um die Gedanken wieder in die richtige Reihenfolge zu klopfen. Wir verabschiedeten uns erst einmal vom Alchemisten. Hagar hatte vielleicht sogar verstanden wohin wir zuerst gehen müssten, und ich folgte geistesabwesend.
In die Gemächer des Imperators – davon ein Klo zu putzen
Wir kamen bis zu einer Tür die von einem wiederkäuenden, gerüsteten Esel bewacht wurde. Um es kurz zu halten, das Tier ließ uns nicht durch, lediglich Argaal durfte passieren, da er ein Fell hatte. Was war das denn nun wieder? Diskriminierung von Menschen? Ich hatte große Lust dem arroganten Vieh ordentlich einen Fulminictus zu verpassen! Überdies merkte ich, dass meine astralen Kräfte sich hier in erstaunlichem Tempo erholten. Aber der Zorn, der in mir unversehens aufwallte, verschwand recht schnell wieder hinter einer Wand der dumpfen Verzweiflung angesichts der Absurdität der Situation. Ein gebildeter Magus wurde an einer Tür von einem Esel zurückgewiesen! Gab es eigentlich noch ein Bild, das mich mehr hätte demütigen können? Die Anderen gaben nach kurzem Disput klein bei und wir gingen zurück zur Schlange. Dieses leichtgläubigste aller Reptilien umspannen sie mit einem Geflecht von süßholzgeraspelten Lügen, bis es uns Tränke gab, die uns Fell, Federn oder Schuppen verleihen würden, so dass wir unserer Aufgabe zu Ehren des Imperators nachkommen könnten. Außerdem sollten wir doch für ihn noch bitte einen Brief mit neuen Bestellungen zur Post bringen. Was war das nun schon wieder? Wieso die Post? Die auch noch ganz wo anders war, als wir eigentlich hinwollten! Ich protestierte erst vehement, dann kleinlauter, schließlich verzagt, und dieser dämliche Goblin erbot sich doch tatsächlich, den Boten zu spielen. Ich kapitulierte vor so viel Dummheit. Dafür entschied ich mich für einen Trank, der mir ein seidiges, schwarzes Katzenfell verlieh und nach hochgewürgtem Fellknäuel schmeckte. Ein Esel wollte ich dann beim besten Willen nicht sein! Um mich herum wuchsen den anderen Schuppen, Pelz, Federn… es war grotesk. Nun gehörten wir also auch zu diesem Kuriositätenkabinett. Mich überkam ein unwillkürlicher Drang und ich leckte mir die befellte Pfote. Da ging es dahin mit meinem brillanten Verstand…
Beim nun folgenden Anlauf ließ uns der Esel, der uns vorher noch abgewiesen hatte, anstandslos durch. Es gab wohl einen recht langen Weg zu den Räumen des Imperators, man empfahl uns sogar Wegzehrung, deswegen gingen wir zuerst in die Küche. Mit der dort Dienst tuenden Ziege (es war so lächerlich, ich hätte sie am liebsten gleich auf einen Spieß gesteckt und gegrillt!), berieten wir uns und erfuhren, dass es noch einen kürzeren Weg gäbe. Den Speisenaufzug. Aber den könnten wir ja nicht nehmen, wir wären ja schließlich kein Essen. Mir platzte fast der Kragen und ich wollte das meckernde Tier schon packen, als mir die Sinnlosigkeit dieser Tat bewusstwurde. Wie blöde und völlig ohne Verständnis glotzte ich Argaal und Hagar an, die dabei waren sich mit Kohlblättern zu dekorieren und der sabbernden Ziege zu erklären, dass sie ja jetzt wohl Essen wären und den Aufzug nutzen könnten. So wie diese beiden musste man wohl sein, wenn man bar jeglicher Selbstachtung war! Und die Ziege? Sie stimmte dem einfach zu! Ich wurde schier verrückt, schlug mir den Magierstab an den Kopf vor so viel Dämlichkeit und überlegte, welche Torheit als nächstes geschehen mochte. War ich vielleicht einfach in einem schlechten Traum gefangen oder hatte zu viel Rauschkraut erwischt? Aber bei Magister Dergelsaum hatte es doch außer Wein gar nichts gegeben? Resigniert nahm ich mir von einem Tisch einen Kürbis, hieb wütend meine Faust von unten hinein, zog mir das Gemüse über den Kopf, bohrte mit meinen Katzenpfoten noch ein paar Augen, einen schief grinsenden Mund und eine Hakennase hinein und wollte mich einfach nur rächen. An irgendwem. Egal wem. Ich wollte einfach nur irgendjemand wehtun für diese Schmach! Leider war, da sich der Aufzug schon mit uns in Bewegung setzte die Ziege nicht mehr greifbar…
Der Aufzug beschleunigte, rumpelte und ratterte hinauf (oder hinunter, so genau konnte ich das gar nicht mehr feststellen, meine Wahrnehmung war empfindlich gestört). Als die Fahrt endete standen wir in einer Art Thronsaal voller dinierender Esel, an dessen Ende eine bewachte Treppe zum Herrschersitz führte. Die anwesenden Esel ignorierten uns weitgehend, nachdem wir unsere Verkleidung abgelegt hatten und nicht mehr wie Essen aussahen. Ich musste unbedingt mein seidiges, schwarzes Fell von den glibberigen Überresten des Kürbisses reinigen und putzte mich erst einmal ausgiebig. Zum Glück hatte ich einen Holzkamm in meinem Rucksack, mit dem ich mein Fell ausbürsten konnte. Der Weg zum Thron hinauf wurde uns aber verwehrt. Hagar hatte wohl gehofft dort einfach ein paar Haare erbeuten zu können. Endlich einmal wieder ein Gedanke, den ich nachvollziehen und greifen konnte! Guter Mann! Allein, es ging nicht. Und uns mit all den Eseln hier prügeln war auch keine Lösung.
Die Situation war einfach so Sinnlos. Kurz vor dem Ziel und doch so weit weg… in meiner völligen Verzweiflung fragte ich den diensthabenden Esel, wo den der Ort sei, an dem auch der Imperator zu Fuß hin ginge. Darauf erntete ich ein verständnisloses Gesicht des Grautiers. Zum Abort wollte ich, dem königlichen Scheißhaus! Das sei in seinen Gemächern erhielt ich dann als Auskunft, zu unserer linken, worauf ich Hagar genervt vorschlug, er solle doch einfach imperiale Kacke als Fokus nehmen. Der Satz war, ich gebe es zu, nicht einer logischen Überlegung, sondern wirklich nur der Verzweiflung entsprungen, aber er entbehrte, jetzt im Nachhinein betrachtet, noch nicht einmal der Logik. Damals aber war es der pure Wahn der aus mir Sprach und kein ernst gemeintes Ansinnen. Das jedoch hatte Hagar nicht verstanden – es war offenbar nicht jedem gegeben Sarkasmus als solchen zu erkennen-, weswegen er sich laut rufend auf machte um genau das zu tun. Scheiße zu holen. Und zwar royale Scheiße! Er sei der neue königliche Latrinenreiniger und müsse sofort Zugang erhalten, den wieder ein Esel bewachte. Kurz, Hagar konnte kein ihn dazu befähigendes Latrinenreinigungszertifikat vorweisen und sollte erst ein solches bringen. Was sollte das nun wieder? Das Kloreinigen hätte ich sogar unserem verlausten Goblin ohne Fähigkeitsnachweis zugetraut, da brauchte es doch keinen Kriegerbrief für! Aber hier, so schien es, war einfach alles anders und nur darauf getrimmt, meinen armen Geist zu martern.
Ich resignierte nun völlig, ging zum Wachesel und begann mit selbigem Karten zu spielen während Hagar loszog sich einen solchen unerhört aussagekräftigen Bildungsabschluss zu besorgen. Ich weiß nicht, was er dafür genau getan hat, aber nach einiger Zeit kam er zurück. Selbst stinkend wie eine Sinkgrube, aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht und ein Blatt schwenkend, welches ihn als zum Reinigen eines Klos befähigte Person auszeichnete. Sogar Summa cum Laude. Der Oberscheißebeseitiger sozusagen! Ich hielt schwer an mir selbst, um ihm dieses Papier nicht direkt in den Hals zu stopfen, so absurd kam mir alles vor! Aber der Esel zuckte nur die Schultern, für ihn war damit alles in Ordnung, und Hagar durfte hinein um seine „Aufgabe“ zu erfüllen. Und das tat er. Nachdem er etwas später wieder heraus kam war er im Besitz eines Beutels königlicher Exkremente (zumindest hoffte ich, dass sie wenigstens königlich waren und nicht nur königlich stanken). Außerdem hatte er von einem Sessel noch schwarze Haare geerntet. Aber darauf wollte ich mich nicht verlassen, die meisten der Esel hier hatten ja auch schwarze Haare und schwarze Mähnen.
Auf der Suche nach dem Ausweg
Wie sollten wir nun hier wegkommen? Die Kinder, so hatten wir erfahren, seien zur Erziehung im Dorf außerhalb der Burg, bis sie „ihr Fell verdient“ hätten, und dürften selbige bis dahin nicht betreten. Der Weg hinaus über die verschiedenen Stockwerke war weit, selbst mit Aufzug. Und die Zeit begann zu drängen, da die Uhr die erneute Öffnung des Portals in immer größere Nähe rücken ließ. Und der Praioti war zwar in der Nähe, wurde hier aber als Hofnarr missbraucht. Seine Zitate aus Gesetzeswerken und glaubensgefälligen Sprüchen schien hier dem zu entsprechen, was man bei uns als Humor bezeichnet hätte, weswegen er als größter aller Komiker und König des Klamauks galt. Ich hätte kotzen mögen! Mir war mittlerweile fast alles egal. Ein Blick durchs Fenster offenbarte mir, das der Hof nur 5 Schritt unter mir war. Das Fenster hatte keinen Griff um es zu öffnen, deswegen wollte ich es kurzerhand einschlagen um mich abzuseilen. Sollten doch andere Treppen ohne Ende steigen, aber nicht mit mir! Nicht mit Victor Dondoya di Pellisario! Der, ja der kannte eine Abkürzung! Ich holte gerade aus um die Scheibe zu zertrümmern, da sprach mich das Fenster an. Vor Schreck, Überraschung und Konsternierung hielt ich inne. Was war das nun wieder? Ein sprechendes Fenster? Ja das wäre hier doch normal, man könne ja auch über alles reden, beschied mir die durchsichtige Scheibe. Ich kippte aufs Gesäß und wusste nichts mehr zu erwidern. Wieder sprangen die Simpel, die mich begleiteten, mir hilfreich zur Seite. Und so erfuhren wir, dass das Fenster ein guter Freund von ein paar Treppen!! war, die uns sicher einfach in den Hof brächten, es würde sich ja auch freiwillig öffnen. Aber dafür wollte es einen guten Witz hören und mal wieder etwas zu lachen haben. Ich hätte weinen können, so lächerlich war das alles!
Nach kurzem Überlegen gab ich einen Schwank zum Besten, aber Witze erzählen gehört nun mal nicht zur Ausbildung eines ernsten Magus. „Was machen ein Praioti und eine Rahjageweihte im Tempel? Nachkommen!“ Den fand sogar ich selbst lahm, und das Fenster wirkte auch wenig erheitert. Es wollte einen Witz hören, so einen wie der lustige Hofnarr immer erzählte. Ich begann zu schluchzen. Mit bebender Stimme, die Stirn hatte ich mittlerweile an die Wand gelegt und war nur dankbar das diese mich nicht auch noch ansprach, zitierte ich, von Weinkrämpfen geschüttelt, eine Passage aus dem Codex Albyricus: „Das Anwenden von schädlicher Magie gegen Menschen oder kulturschaffende Zweibeiner oder andere dem denken fähige Wesen ist bei einer Strafe, die sich nach Schwere des eintretenden Schadens richtet, untersagt. § 18 Abs. 3 Satz 1 C.A.“ Ich brach zusammen. Und das Fenster? Bog sich vor Lachen glatt durch und ging auf. Mein Geist begann, sich in ein kleines, sicheres Schneckenhaus der eigenen Realität zurück zu ziehen.
Während das Fenster uns stehen ließ um einen Gefallen bei einer Treppe einzufordern und sein Versprechen zu erfüllen machte irgendetwas in mir einen Sprung. Vielleicht war es mein Schädel, der mein Hirn nicht mehr halten konnte, weil es vor Anstrengung auf das doppelte seines Maßes angewachsen war. Wieder flutete mich der Drang jemandem weh zu tun. Und diesmal wusste ich auch genau wem. Hier war jemand, der mich verstehen würde. Der es zu schätzen wusste. Dem man mit den Mitteln von Logik, Rhetorik und meinetwegen auch körperlich Schmerzen zufügen konnte. Ich hatte ein Opfer, das ich verletzen konnte! Ich sprang aus meiner gekauerten Haltung auf und lief zur Zelle des Gefangenen Praioti. Da war endlich ein Ziel für meinen Zorn, ein Ventil, an dem ich mich so richtig austoben konnte. Ich rannte förmlich zur Zelle und ließ mir vom dort stehenden Esel Zugang geben. Voll Vorfreude riss ich die Tür auf, die Worte schon im Kopf die ich dem Kerl an seinen bornierten Paffenschädel werfen wollte. Und wurde enttäuscht. In dem Raum saß ein Mann im Ornat, oder war es ein Narrengewand, ich war mir da nicht mal mehr sicher, und brütete über seiner nächsten humoresken Einlage, brabbelte irgendetwas von Hexen, Verbrennung und Scheiterhaufen, und ob den 4 Meter Höhe dafür genug seien und als Lacher so richtig taugen würden. Etwas brach in mir. Ich glaubte, es war mein letztes Fünkchen Hoffnung oder Verstand, das sich gerade keckernd davon machte. Lahm hob ich an, wohl wissend, dass mein Spott sein Ziel nicht treffen würde, aber ich musste es zumindest versuchen. Um meinetwillen. Statt erfüllt von beißendem, brennenden Spott aber war meine Rede eher ein lahmes Lüftchen das kaum den Atem wert war. „Schöne Grüße von Gaius Cordoban Eslam Galotta“, sagte ich, „Praios am Arsch, du Sau!“ Und erhielt keinerlei Reaktion, so wie ich es befürchtet hatte. Nur einen verständnislosen Blick. Was war denn das für eine Welt, wo man einen Praioti als Schwarzmagier einfach so beleidigen konnte ohne dafür verdammt zu werden? Keine Widerworte. Keine Anfeindungen. Kein heiliger Sonnenstrahl der einen versengte, nicht einmal ein Sonnenszepter das einem auf den Kopf geschlagen wurde, nicht einmal eine Drohung desselben. Nichts! Ihm war nicht mehr zu helfen. Und mir auch nicht. Ich hatte einfach keine Lust mehr. Und ging. Es war alles so furchtbar traurig. Ich schlurfte zurück, Tränen in den Augen, die Welt um mich herum nicht verstehend und suchte Trost beim Bildnis meiner Schwester. Ich nahm die Kette hervor, öffnete das Medaillon, und blickte auf das Bild einer schwarzen Katze. Liliana, Schwesterherz, wo warst Du nur? War jetzt alles vorbei? Ich wollte einfach nicht mehr. Ich ging hinaus zu den Anderen. Die Treppe war mittlerweile fertig und wir gingen hinunter in den Hof. Es war mir egal. Argaal wollte noch zur Post, er hatte noch mehr Briefe eingesammelt. Es war mir egal. Wir verließen die Burg, ich glaube, die anderen haben vorher noch beim Alchemisten mehr Tränke für Fell besorgt um die Kinder herein zu bekommen. Es war mir egal. Draußen vor der Burg war ein dunkler Weg in ein Dorf hinab. Links und rechts drohte schwarzes Wabern, das musste der Limbus sein, eine unglaubliche Sache für einen Magier, allein, es war mir… egal.
Im Dorf angekommen sahen wir schäbige Hütten. Ich hatte keine Lust zu suchen, ging einfach in die nächste Hütte hinein. Niemand da. Es war mir egal. Ich wollte die nächste Hütte aufsuchen, da rief einer von uns. Wir fanden ein Gebäude mit Schild dran, eine Schule. Es war mir egal. In dieser Schule fanden sich ein Kobold und die Kinder. Mein Geist nahm nicht alles war, was passierte, es war mir einfach … egal.
Ich warf dem Kobold vor, dass er derjenige gewesen wäre, der das Monster erschaffen hätte. Es stimmte wohl. Er wollte die Kinder nicht hergeben, lies sich aber von den anderen dann doch Überzeugen, würde uns gar Begleiten um sie weiter auszubilden. Na toll, noch mehr Schelme auf Dere, die Unfug trieben und keine ordentlichen Zauberer wurden… es war mir egal. Man entschied sich die Kinder nicht mit den Tränken zu traktieren. Der Kobold meinte das sei für sie gefährlich, weil sie schon so lange hier wären. Mir war es egal, den Anderen nicht. Dafür würde man sie als Hühnchen verkleiden, Federn gälten ja auch als Passierschein und der Kobold würde das ankleben übernehmen. Eine Kissenschlacht wurde ausgerufen. Daran beteiligte ich mich. Ein letztes aufwallen meines selbst! Ich steckte einen Ziegel in ein Kissen und hieb es jemand kräftig auf den Kopf und fühlte so etwas wie Genugtuung. Ich glaube es war der Herr von Rosenfels, da wir dann gestritten hatten und der Kobold uns durch aufblasen oder so zur Räson brachte, aber sicher bin ich mir da nicht mehr. Dann war mir wieder alles egal. Meine Schwester hatte ich quasi vergessen. Ich leckte meine samtige, schwarze Pfote. Ich brauche Stiefel. Hohe, glänzende, schöne Stiefel, das gehört sich so für eine Katze. Und einen Degen. Und einen Federhut!
Rettung vor dem Irrsinn
Als nächstes fand ich mich in der Besenkammer wieder. Ich muss den anderen wohl hinterher gegangen sein. Wir versteckten uns alle in einem Schrank. Der Kobold ließ uns schrumpfen. Eigentlich interessant, früher hätte ich das sicher analysiert. Aber es war in Anbetracht der absurden Situation auch schon egal. Der Imperator erschien. Stolzierte aus der Kammer. Wir warteten, gespannt, atemlos. Als er weg war und wir den Schrank verließen begannen wir auf einmal zu wachsen, uns in die Länge zu recken bis wir an die Decke heran reichten. Nach und nach verschwanden alle in der Zimmerdecke. Ich folgte einfach, ohne mir groß Gedanken zu machen. Meine Welt verzerrte sich. Dann saß ich auf einmal auf einer Lichtung im Wald, neben dem Stumpf einer abgesägten Eiche. Langsam, ganz langsam begann sich mein Geist zu klären und ich erinnerte mich. An Dere. An Aventurien. An meine Schwester. Hier gehörte ich her. Das hier, das war meine Welt! Der Ort an dem ICH Macht hatte. Aber warum war ich eine schwarze Katze? Nebelhaft schälten sich Fetzen von Erinnerung aus meinen Gedanken und ließen mich ob ihrer Absurdität taumeln. Die alte Hexe schien uns schon erwartet zu haben, zumindest war sie da. Sie ließ sich von Hagar den Beutel mit Scheiße geben, ich fand dies höchst widerlich, und Yazinda von ihrem Blut darüber tropfen. Das wäre mir im Traum nicht eingefallen zu tun, aber Yazinda war in dieser Hinsicht sowohl willig als auch ob der potentiellen Gefahr völlig ignorant. Auch ein weißer Wolf war da. Die Hexe meinte, er würde sich für uns opfern und das Portal versiegeln, quasi als Wächter hineinfahren. Dann brummelte sie etwas und krächzte in einer mir unbekannten Sprache wie ein hustenkranker Rabe, woraufhin rasant eine stattliche Eiche emporwuchs, durch die Stadien des Gedeihens hindurch innerhalb weniger Minuten, bis an der Stelle des Stumpfes ein imposanter Baum stand. Dann verschwand das Weib.
Zurück blieben wir. Ich hatte mich in der Zwischenzeit ein wenig erholt, konnte wieder klar denken. Mein erster Blick galt dem Bild meiner Schwester. Sie war wieder da, keine Katze. Wie wunderbar. Wie kam ich überhaupt auf so einen Blödsinn? Ach ja, ich war ja selbst eine Katze. Ganz so absurd war das also nicht. Warum war ich nochmal eine Katze? Ich versuchte mich zu erinnern, aber mein Geist schien davor irgendwie zurückzuschrecken, so als wolle er sich gar nicht an alles erinnern. Ich sollte das hier aufschreiben, solange ich noch konnte. Zurück bei Meister Dergelsaum, dessen Wachen uns erst nicht erkannten und einlassen wollten, klärten wir alles auf was wir noch zusammenbrachten. Wobei es so viel gar nicht mehr zu bereden gab. Der Praioti war kein Problem mehr, die Kinder wieder da, die Bauern wurden wohl entschädigt, so dass wieder alles gut war. Der entflohene Golem war wohl irgendwie auch gefangen worden, vielleicht von den anderen, größeren Golems. Magister Dergelsaum war sogar in der Lage uns alle zurück zu verwandeln. Er meinte nach einem kurzen Blick, das es zwar auch von selbst ginge, aber wir dann wohl ein halbes Jahr warten müssten. Das hieße also, hier zu überwintern. Das wollte ich nicht. Auf keinen Fall. Da er selbst nicht die nötige Kraft besaß uns alle zu entzaubern brachte er mir den Unitatio-Cantus bei, so dass ich ihm zumindest meine Kraft für die Entzauberung zur Verfügung stellen konnte. Das war ein erfreulicher Nebeneffekt, denn diesen Spruch sollte eigentlich jeder beherrschen. Nun gehörte ich auch dazu. Außerdem erfüllte er sein Versprechen und teilte in den nächsten 3 Wochen sein Wissen mit mir. Ich erlernte von ihm die Grundzüge des Zhayad, der Schrift und Sprache, in der das Wissen um Dämonen üblicherweise hinterlegt wird, und die auch zur Anrufung genutzt wird. Endlich konnte ich selbst eine Beschwörung durchführen, und nicht nur als Schüler assistieren. Außerdem brachte er mir die wahren Namen der Dämonen Hesthot und Difar bei, unerlässlich zum gefahrlosen Rufen und Kontrollieren solcher Wesen. Das war es wahrlich Wert gewesen…
Von den Anderen trennte sich mein Weg nun. Die einzige von der ich wusste, dass wir uns bald Wiedersehen würden war Junasia, mit der ich ja in den Süden ziehen wollte. Sie ging erst noch einmal nach Havena um ihre Belohnung einzustreichen und ein paar Dinge zu erledigen. Ich hatte weder Lust auf Havena noch auf eine Seefahrt, außerdem musste ich ja bleiben um zu lernen. Aber danach käme sie wieder nach Orweil zurück um mich aufzusammeln. Wir planten gemeinsam über Gareth, das war ja an der Reichsstraße entlang gar nicht so weit weg, hinunter nach Punin zu ziehen und von dort wollten wir versuchen eine Reisemöglichkeit hinüber z.B. nach Kunchom oder noch weiter südlich zu bekommen. Wir würden sehen… Aves mit uns.