Tagebuch von Victor Dondoya Aureumresistis Stellamane D'Pelisario von Al'Anfa
Der Pfad des Visar

Der Pfad des Visar

Auf dem Heimweg

Wobei ich es zugegebenermaßen nicht nur Aves überließ meinen Weg zu wählen. Die Entscheidung nach Hause zu gehen war gefallen, dieses Mittelreich empfand ich mittlerweile als eher ungastlich. Allein, der Weg war mir noch nicht ganz klar und wie weit er sein mochte. Ich war mir nur ziemlich sicher... sehr weit. Aber so war es mit den Wegen die wir gehen nun einmal, und auch dieser musste, nachdem ich das Tor Gareths durchschritten hatte, erst einmal beginnen. Ich vertraute mit einem kurzen Gebet meinen Pfad dem Herrn Aves an, und vielleicht waren er und der Herr des Glücks mir genau deswegen gewogen. Ich hatte noch keine Meile gen Praios zurückgelegt, da begegnete ich einem der Fuhrleute des Hauses Garangor, die mich schon gen Mittelreich mitgenommen hatten. Perwin oder so ähnlich hieß der Mann, und er erinnerte sich ebenfalls noch an mich. Gut, es war wohl auch nichts so häufig das ein Magus in schwarzer Robe neben ihm auf dem Kutschbock saß...

Ich erbat mir die zustehende freie Fahrt und erhielt diese ohne weitere Diskussion. Er hatte gerade für seinen Herrn Korn nach Gareth geliefert, was wohl derzeit recht lukrativ war, und brachte nun im Gegenzug Waren vom Perlenmeer, die in Gareth umgeschlagen worden waren, gen Horasreich. Ich überlegte kurz, aber es schien mir passend. Ich ließ den Kutscher die Strecke wählen und vertraute auf seine Wegekenntnis. Die Fahrt verlief die nächsten Tage wie ich es schon erlebt hatte. Ich musste für Kost und Logis allerlei Handlangerdienste leisten um meine Dukaten zusammen zu halten, aber wenigstens war das Fahren auf dem Gespann deutlich angenehmer als auf Schusters Rappen unterwegs zu sein. Dabei passierten wir einige interessante Orte, an denen ich aber diesmal nicht verweilen konnte. Die Silkwiesen, ein Ort wie man mir sagte, an dem die Mittelreicher in einer großen Schlacht ein Orkheer geschlagen hatten. Ragath, dessen almadanische Bevölkerung mich sehr faszinierte. Punin, die Stadt mit der berühmtesten Akademie Deres, was mich fast zum Verweilen gebracht hätte. Andererseits fehlte mir ganz klar noch das Gold für ein Zweitstudium. Dann fuhren wir firunwärts den Raschtulswall entlang, ein wahrhaft beeindruckendes Bergmassiv. Wir passierten Brig-Lo, den Schauplatz der berühmten Dämonenschlacht, bei der die Götter selbst eingegriffen hatten und wo es heißt, das heute noch Geister umgehen. Dann waren wir schon bald im Horasreich. Bomed, Veliris und Farsid waren hier die Stationen, bevor ich mich in Grangor von meinem Fahrensmann verabschiedete und einen Küstensegler bestieg. Zwar war ich selber kein Abgänger des Seekriegszweiges, aber die Akademie Al'Anfas hatte immerhin einen so guten Ruf, dass ich als Bordmagus zumindest ohne Bezahlung mitgenommen wurde.

Die Silberschwalbe war ein kleines, aber feines Küstenschiff der Schivonella-Klasse, das während der Tagesetappen ordentlich fahrt machte, dafür aber in Efferds Namen in fast jedem Küstenkaff anlegte um Waren umzuschlagen. Mir waren die meisten Örtchen einerlei, lediglich Belhanka, Neetha und Mengbilla mögen hier Erwähnung finden, bevor wir schließlich am südlichsten Punkte des Kontinents landeten.

Die Fahrt verlief weitestgehend ereignislos. Lediglich ein paar andere Personen an Bord boten zumindest so viel Abwechslung, dass man sich ein wenig die Zeit vertreiben konnte. Da war, sehr ungewöhnlich, ein Zwerg mit Namen Kugor auf dem Schiff, der ständig irgendetwas von einer bedeutenden Wettfahrt brabelte, an der er vor Jahren mit einer Horde unzivilisierter Thorwaler teilgenommen hatte. Eine junge Maraskani die sich Azinajida nannte und als Medica an Bord genommen wurde. Ihr Haar war auffällig und von leuchtender Farbe, aber das hatten die Damen in Al‘Anfa je nach Mode ja auch so getragen. Manchen wie mir stand das Kleid des Raben besser, andere liefen eben lieber wie Papageien herum. Dann war da noch ein Tulamide oder Novadi, so sicher war ich mir da nicht, der des Garethi nur bedingt mächtig war, sich offensichtlich gut mit dem Zwerg verstand aber anderen Meinungen gegenüber recht intolerant schien. Faramud oder so, mir war der Geselle nicht sonderlich sympathisch, aber ich ihm möglicherweise ebenso wenig. Und dann noch die Kombüsenmagd, ein junges Ding namens Alara, in deren Adern wohl wie in den meinen mohisches Blut floss, die aber dem Dialekt nach, sie sprach perfektes Garethi, aus Almada zu kommen schien und ihrem bisherigen Dasein als Schankmaid entfliehen wollte. Sie überraschte mich zudem im Laufe der Fahrt damit, dass sie rechnen konnte, was ich bei einer bloßen Schankdirne schon erstaunlich fand. Aber sie hatte natürlich recht, wenn sie das Bier kassierte musste sie auch die Kreuzer und Heller zählen können. Außerdem gab es noch einen Passagier mit großem Rucksack, der sich als Kryptograph Alonso Terhatan vorstellte. Ein geschwätziger und lebensfroher Bursche, der irgendwelche Übersetzungen nach Brabak zu einem Gelehrten zu bringen gedachte, dessen Namen mir sogar Vage bekannt vorkam. Guidobaldo Quintore, ein Sternkundler der vor längerer Zeit an der Akademie von Al'Anfa unterrichtet haben soll. Aber die Astronomie war bisher kein Schwerpunkt meiner Studien gewesen. Leider musste uns der Kryptograph noch vor unserem Ziel verlassen, aber unter gelehrten Kollegen bot ich ihm an, sein Schriftwerk gern in Brabak für ihn abzuliefern, was ihn sehr erfreute. Ich bezwang meine Neugier die Schrift zu öffnen, nachdem er von Bord gegangen war. Aber vermutlich, wenn es sich um Sternkunde handelte, hätte ich eh nur einen Bruchteil verstanden.

Brabak – Ein Sumpfloch voll Möglichkeiten

Brabak. Eine Stadt, nach der nicht umsonst eine der widerlichsten Krankheiten, der Brabaker Schweiß, benannt ist. Genau so musste es hier wohl wirklich sein. Auf der anderen Seite wollte die Schwalbe hier die Route wenden und wieder zurückfahren, so dass ich eine neue Passage brauchen würde. Außerdem würde ich hier wohl am ehesten etwas erwerben können, das sich anderswo vielleicht nur schwer bekommen lassen ließ: Beschwörerkerzen und Beschwörerkreide. Auch dafür waren die örtlichen Alchimisten und die lokale Akademie ja berühmt. Ich hoffte nur, ich würde hier nicht der Magistra Junicera unter die Augen kommen, ohne ihr das gewünschte Manuskript aushändigen zu können.

Mit diesen Gedanken ging ich nach einer Reise von gut 2200 Meilen seit Gareth von Bord und betrat das dampfige, schweißstinkende Brabak.

Sogleich wurden wir am Hafen von gierigen Zöllnern in Empfang genommen, die mir 4 Golddukaten abknöpften, nur damit ich die Stadt überhaupt betreten durfte. Eine Saubande! Taxiert wurde hier anscheinend nach Gutdünken, musste doch zum Beispiel die Kombüsendame Alara lediglich ein paar Heller berappen. Wir suchten uns Quartiere in der Herberge Südkap nahe der Arena, in der wohl auch bald eine Art Gladiatorenspiel stattfinden sollten. Das wiederum würde mir wenigstens etwas Zerstreuung liefern, auch wenn ich bezweifelte, hier ein adäquates Schauspiel geboten zu bekommen. Wahrscheinlich eher eine Art Schmierentheater auf dem Niveau einer Laienschule, für die man in Al'Anfa nicht einmal Eintritt zahlen würde! Aber immerhin besser als nichts. Die Herberge war einfach, aber sauber, ordentlich, nicht überteuert und bot Azinajida und mir sogar die Möglichkeit einen Badezuber zu benutzen, was nach der langen Seefahrt mehr als erfreulich war. Wir erkundigten uns bei der Wirtin nach dem Gelehrten Herrn Quintore und erhielten die Auskunft, dass er bei einem seiner Schüler, Alfeus Morat nicht weit entfernt wohne. Zudem ließ ich mir den Weg zur lokalen Niederlassung des Roten Salamanders weisen.

Ich badete genüsslich und ausgiebig, reinigte sowohl mich selbst als auch meine Kleidung vom Staub und Schmutz der langen Reise, und war danach so Müde, das ich mich zuerst einmal zur Ruhe begab. Dem gelehrten Herrn wollte ich mit wachem Geist gegenübertreten. Ich weilte wohl zu lange in Borons Armen, denn in der Zwischenzeit ereigneten sich einige Dinge, die meine bisherigen Begleiter bei der Schiffsreise ohne mich angingen. Nicht nur, dass mir diese zwielichtigen Gestalten die Rolle aus dem Zimmer entwendeten, nein, sie wurden sogar ohne mich als den benannten Überbringer beim Gelehrten Herrn Quintore vorstellig! Das allein hätte mir normal schon genügt, ihnen einen Hesthot hinterher zu jagen. Aber immerhin hatten Sie den Anstand mir den Lohn von 3 Dukaten auszuhändigen und dem Herrn meine Verhinderung mitzuteilen. So blieb mir nur ein unbestimmtes Grummeln ob der Dreistigkeit im Bauche zurück. Vergessen würde ich ihnen das nicht, aber ich musste diese Damen und Herren wohl gut im Auge behalten. So erfuhr ich also nur indirekt, dass anscheinend ein paar Lumpen versucht hatten die Enkelin des Gelehrten Herrn, ein Mädchen namens Selisia, zu entführen. Dieses Ansinnen scheiterte aber am Eingreifen meiner eigenen Lumpen, vulgo Reisebegleiter, woraufhin der Herr Quintore die Überbringer auch direkt in seine weiteren Dienste nahm um irgendeine verschollene Stadt zu finden. Diese gehörte wohl einst einer Kultur die er Vu`du oder so nannte. Die Stadt selbst hieß einmal Vas'Ras. Angeblich waren diese Leute früher begnadete Navigatoren und er wollte ihre Geheimnisse um Sternenkarten und etwas das er Längengrade (was auch immer das sein soll) enträtseln. Ein festes Salär wurde uns, ich beschloss spontan mich der Sache anzuschließen, nicht versprochen, aber wir dürften dort alles was wir fänden außer den Sternenkarten für uns behalten. Dieser Lohn war nicht das, wofür ich mich sonst jemandem Verdingen würde, aber ich hatte das Gefühl, es könnte sich lohnen an diesem Gelehrten dran zu bleiben. Vielleicht konnten hier Erkenntnisse gewonnen werden, die der schwarzen Armada noch nützen würden? Der Zwerg Kugor verblieb vorerst als Leibwächter beim Gelehrten, fürchtete man doch einen zweiten Entführungsversuch.

Eine kleine Hürde gab es aber noch. Der Schlüssel für den Beginn der Expedition wäre dann noch ein beschnitzter Beckenknochen, den eine Familie Charazar, wohl die örtlichen Unterweltgrößen mit Echsenblut in den Adern, im Besitz hatten. Einen Blick darauf dürften wir aber nur werfen, wenn wir der Verbrecherfamilie zwei Kämpfer für das anstehende Turnier stellen würden, die zumindest die rivalisierenden Hammerfaust-Kämpfer aus dem Rennen werfen sollten. Atzina klinkte sich unterdessen aus um sich in Anatomie fortzubilden und bei den lokalen Magiern zu lernen. Den Blick hätte übrigens Alara werfen sollen wie man in meiner Abwesenheit meinte, denn sie könnte zumindest anscheinend lesen und schreiben. Aber selbstverständlich würde ich mich dann anschließen, wenn es soweit wäre. So etwas sollte man nur einem ausgebildeten und geübten Geist überlassen, dem das Memorieren von komplexen Informationen geläufig ist. Nicht einer einfachen Schankmaid die dann im entscheidenden Moment auch noch die wichtigsten Details übersehen oder vertauschen würde. Das wäre doch höchst unerfreulich.

Als ich dann das erste Mal selbst dem Gelehrten Herrn Guidobaldo vorgestellt wurde, Kugor nahm mich dort mit hin, war ich ein wenig überrascht ob seiner feindseligen Art. Ich selbst hegte keinerlei Groll gegen den Mann, kannte ich ihn doch nicht, aber er ging mich direkt mit Vorwürfen an, ich als Al'Anfaner wollte ihn eh nur wahlweise diskreditieren, ermorden, vergiften, hintergehen, etc. pp. Es dauerte eine ganze Zeit bis er sich wieder beruhigt hatte und zumindest anscheinend vorerst einsah, dass ich ihm nichts Übles wollte. Seine Ressentiments gegen Bürger Al'Anfas aber schienen doch recht groß zu sein. Dafür war seine Nichte eine durchaus ansehnliche junge Dame, deren Gesellschaft mir vielleicht noch Freude machen konnte.

Die Arena

Vom Gelehrten machten wir uns erst einmal auf zur Arena, um die Örtlichkeiten und die potentiellen Gegner in Augenschein zu nehmen. Auf dem Weg hörten wir Lärm aus einer Seitengasse, was mich in einer Stadt wie Brabak eigentlich nicht verwunderte. Meine Begleiter Kugor und Faramud meinten wohl, da werde jemand Überfallen und wollten sogleich heldenmutig helfen. Aber es waren nur ein paar dreckige Straßenkinder, die sich mit einem noch dreckigeren Köter um ein totes Selemferkel stritten. Während meine tapferen Begleiter noch diskutierten, ob und wie man da einschreiten müsste, hob ich gelangweilt die Hand, sammelte ein wenig Kraft und beendete das Elend, in diesem Fall des Hundes, mit einem simplen "Fulminictus Donnerkeil". Der Hund brach auf der Stelle tot zusammen, und Faramud machte große Augen. Aber ich wollte keine weiteren Verzögerungen, und wofür war man den Magier, wenn man nicht zauberte? Außerdem hatte ich dem Köter damit immerhin erspart, zu Tode geprügelt zu werden… man könnte mich also sogar als gnadenvoll bezeichnen.

Die Arena...Wobei Arena eigentlich der falsche Begriff war. Vielmehr handelte es sich, zumindest nach den Maßstäben meiner Heimat, um ein bestenfalls notdürftig zusammengeschustertes Amphitheater, in dem wohl gerade mal 1000 Leute Platz finden würden. Lächerlich, wenn man es zum Beispiel mit der großartigen Bal-Honak-Arena Al'Anfas vergleicht, oder selbst mit diesem Hippodrom, das ich in Gareth gesehen habe. Aber der Bau war einem Rattenloch wie Brabak vielleicht gerade angemessen.

Dafür konnte man schon einmal einen guten Blick auf einige der Mitstreiter erhaschen. Insbesondere ein Kämpfer Namens Simodes, ein berühmter Gladiator den ich schon einmal in Al'Anfa gesehen hatte, verlangte nach unserer Aufmerksamkeit. Unserem Zwergen Kugor schien die überhebliche Art, ich nannte es angemessenes Selbstbewusstsein, des Mannes regelrecht zur Weißglut zu treiben. Aber da ich schon Kämpfe des Gladiators daheim gesehen hatte wusste ich, er hatte nicht umsonst den Status des Favoriten für dieses Provinzturnier. Immerhin wurden wir auch gleich über die lokale Möglichkeit zur Wettplatzierung und die Quoten aufgeklärt. Ein bisschen Gold das ich für die ein oder andere Wette locker machen konnte hätte ich ja noch.

Ich mochte Simodes. Er war genau der Typ Gladiator, der dem Publikum das bot, was es sehen wollte. Strotzend vor Kraft, selbstbewusst, ein lockeres Mundwerk das immer die richtigen Worte fand und ein gefälliges äußeres. Sozusagen ein Paradebild von einem Arenakämpfer. Nur wusste das außer mir mal wieder niemand zu schätzen! Dafür war ich mir mit ihm bald einig, dass er im Falle eines Falles meine magischen Talente gegen Bezahlung nutzen würde, insbesondere zur Heilung oder um seine Gegner vor dem Kampf auf unlauteren Magieeinsatz zu überprüfen. Wieder eine Goldquelle aufgetan. Konnte es denn noch besser kommen? Langsam fing ich an, Brabak doch ein wenig zu mögen.

Von der Arena aus gingen wir weiter. Auf dem Weg zum Ordenshaus des Roten Salamanders begegnete uns eine seltsame Prozession schwarz- und weiß bekleideter Gestalten. Sie waren vom Tempel von Licht und Dunkelheit, einer anscheinend obskuren Sekte, die zwar den Zwölfen anhing, einen sehr eigenwilligen Ritus pflegte, dafür aber umso intensiver nach neuen Anhängern fragte. Mir war das suspekt, diese Gesellschaft war wohl eher nichts für mich. Beim Roten Salamander angekommen war ich erst einmal positiv beeindruckt. So ein wohl sortiertes Gildenhaus der Alchemysten in solch einer Stadt. Wer hätte das erwartet? Aber dieser Orden war wohl nicht umsonst der Dereweit führende auf seinem Gebiet... ich erstand zum stolzen Preis von 35 Dukaten 5 Beschwörungskerzen und 2 Stück Zauberkreide, was mein Säckel merklich leichter werden ließ. Gern hätte ich noch mehr eingekauft, aber ich musste das Gold zusammenhalten. Immerhin war ich auf dem Weg nach Al'Anfa. Und der beste Weg dort meinen Vater nach meiner überstürzten Flucht und bald einjährigen Abwesenheit milde zu stimmen dürfte wohl sein, einen Teil meiner Ausbildungskosten zurück zu zahlen. Dafür musste ich ein wenig Reserven halten.

Danach gingen wir zurück in unsere Herberge. Auch Atzina war am Abend wieder bei uns, und man mag sich vorstellen wie geschockt ich war, als ich erfuhr, dass ihre Lehrerin justament meine Geliebte Junicera war. Ihr wollte ich jetzt nun wirklich noch nicht unter die Augen treten. Nicht, dass ich mich nicht gefreut hätte sie wieder zu sehen. Aber ohne die Schriftrolle die sie sich von mir gewünscht hatte... ich würde sie nur ungern enttäuscht sehen. Umso schlimmer, als auf einmal die Tür aufging, und sie tatsächlich auftauchte um noch einmal mit Atzinajida zu sprechen. Ich schaffte es gerade noch, unauffällig und mit hochgezogener Kapuze in Richtung meines Zimmer zu entschwinden ohne entdeckt zu werden. Das war knapp!

Am nächsten Morgen begann dann der Tag in der Arena. Die meisten Kämpfe gingen recht Spurlos an mir vorüber. Austauschbare Namen und Gesichter, allesamt nicht Wert sie sich einzuprägen. Eintagsfliegen im blutigen Sand, über die wohl bald niemand mehr sprechen würde. Simodes gewann seinen ersten Kampf quasi im Vorübergehen innerhalb einiger Herzschläge. Ich war noch nicht einmal schnell genug beim Buchmacher, um eine Wette auf ihn zu platzieren. Unser Zwerg Kugor hatte es dafür mit einem Kämpfer in schwarzer Rüstung und einem mächtig großen Sklaventod zu tun. Ich klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter und sprach ihm dabei meinen persönlichen Segen zu. "Armatrutz, Armatrutz", wie wir Magier sagten. Immerhin ließ ich die kleine Alara 5 Dukaten für mich auf unseren Kurzen setzen. Erst sah es überhaupt nicht gut aus. Der schwarze Hühne hatte mit seinem Schwert einen gewaltigen Reichweitenvorteil gegen den Zwerg mit seinen Stummelarmen, der ein ums andere Mal ordentlich eine eingeschenkt bekam. Aber selbst als der Kleine es schaffte endlich heran zu kommen, kam er kaum darüber hinaus einen leichten Treffer zu setzen. Ich sah mein Gold schon den Bach hinunter gehen, da griff sich der Gegner plötzlich an den Rücken, machte noch ein paar schmerzverzerrte Grimassen beim nächsten Schlag und gab dann auf. Dabei bewegte er sich wie ein alter Magister, dem der Schuss ins Kreuz gefahren war. Offensichtlich hatte er sich in der Hitze mit der schwarzen Rüstung bei einem seiner gewaltigen Hiebe so verrissen, dass es ihm nicht mehr gut ging. Das war mein Glück, und ich dankte in Gedanken Phex für seine Gnade, während eine bis zu den Ohren grinsende Alara zum Wettbüro eilte, um unseren Gewinn einzustreichen. 75 Dukaten erhielt ich ausgezahlt, auf einen Schlag! Brabak wurde immer besser...

Dann trat Faramud in das Rund und musste gegen eine hübsche Tulamidin ran. Auch hier half ich meinem Glück wieder mit einem kleinen Armatrutz nach. Beide hatten einen sehr ähnlichen Kampfstil. Faramud mit einem Faustschild, sie mit einem Hakendolch. Auch hier ließ ich Alara wieder 5 Dukaten auf unseren Kämpfer setzen. Und wieder sah es nicht gut aus, zerbrach das gegnerische Luder doch Faramuds Waffe mit ihrem Dolch und sie hätte das ganze wohl leicht beenden können. Stattdessen aber begannen die beiden, sich in einem wilden Gehaue und Gebalge, im Sand der Arena ohne Waffen zu schlagen. Ehrenhaft von der Frau, das musste ich zugeben, aber auch dumm. Am Ende bezwang Faramud die Dame, indem er sie bis zur Bewusstlosigkeit würgte. Sie versuchte erst mit Beißen (wenig erfolgreich) und dann Tritten in seine Weichteile (sehr erfolgreich!) ihre Niederlage abzuwenden. Aber Faramud blieb eisern und trotzte dem Schmerz bemerkenswert, der in seinem Schritt toben musste. Am Ende lag die Tulamidin bewusstlos im Sand und Faramud kniete keuchend aber siegreich daneben. Ich ließ alle Vorsicht fahren, vergas sogar, dass Junicera im Publikum sitzen könnte, und eilte erfreut zu Faramud, dem ich aufhalf und seinen Arm zur Siegerpose empor riss, bevor ich ihn stützend aus der Arena geleitete. Das waren die nächsten 50 Dukaten Gewinn die ich machen durfte! Da kann man schon einmal etwas überschwänglich reagieren... Leider wollte der Buchmacher jetzt keine Wetten von uns mehr annehmen. Aber da würden wir schon einen Weg finden am nächsten Tag. Jetzt bräuchte ich dann erst einmal einen Phex-Tempel, um mich gebührend zu bedanken...

Davor aber hatten die Götter wohl noch einige Kleinigkeiten gesetzt. Zunächst besuchte uns eine verhüllte Dame aus dem Hause Charazar noch in der Arena, um zum Sieg unserer Kämpfer, und damit natürlich auch ihrem eigenen zu gratulieren. Zusätzlich trug sie ein weiteres Ansinnen an uns heran. Als weit gereiste Personen erkundigte sie sich bei uns, ob wir nicht einen Mann mit Namen Hagar vom Rosenfels kennen würden, die Kunde über seinen Verbleib wäre ihr durchaus ein wenig Gold wert. Ich musste mich innerlich sofort zusammenreißen, denn natürlich kannte ich diesen Halodri. Das war, wenn ich mich recht entsinnen konnte, der diplomierte Scheißhausreiniger, welcher mit mir in diese verfluchte Feeenwelt im albernischen gefallen war. Blitzschnell schaltete sich mein analytischer Verstand ein und kalkulierte das Risiko. Gold, quasi egal wie viel es wäre, gegen die potentielle Gefahr jemanden ans Messer zu liefern, der zumindest mir gegenüber sich nichts hatte zuschulden kommen lassen. Das letzte Mal hatte ich ihn dort oben vor gut drei Monden gesehen, dazu die Zeit die jemand bräuchte um von hier dorthin zu gelangen... bis dahin war der Rumtreiber sicher schon über alle Berge. Auf der anderen Seite schwieg ich zunächst lieber, wollte ich doch nicht vor meinen neuen Begleitern direkt als jemand dastehen, der jederzeit dazu bereit war einen ans Messer zu liefern. Das wäre kein guter Einstand. Aber im Geheimen könnte ich das bei Gelegenheit durchaus noch nachholen...

Von nahebei aus einer anderen Loge ertönte auf einmal Geschrei. Ein kurzer Blick zur Sicherheit offenbarte, dass Faramuds ehrenhafte tulamidische Gegnerin dort lag, sich in Krämpfen wand und nicht gut aussah, was aber wohl kaum von ihrem Gefecht herrühren durfte. Azinajida als Medica diagnostizierte umgehend eine Vergiftung und machte sich daran, ihr zu helfen. Eine gewisse Kompetenz, dass musste ich jetzt einmal neidlos anerkennen, hatte sich offensichtlich in diesen Dingen. Aber gut, Gifte und Maraskani passten ja auch augenscheinlich zusammen. Denn kurz darauf ging es der jungen Frau, den Umständen entsprechend, schon wieder etwas besser, so dass sie der Vergiftung wohl nicht erliegen würde. Ich selbst spielte dabei mehr den stillen Beobachter, aber ein magisches eingreifen meinerseits war eindeutig nicht vonnöten. Also unterlies ich es, einen an dieser Stelle sicher auch hilfreichen Klarum Purum anzubieten. Man musste sich ja nicht unnötig in den Vordergrund drängen, sondern soll auch dem Fußvolk bei Gelegenheit seine Sternstunden lassen... das hebt die Moral der Truppe!

Beim anschließenden Gang über den Markt Richtung Phextempel, den ich im Übrigen, prachtvoll und baumumstanden wie er war, schnell fand, besorgte ich noch zwei Karaffen Olivenöl für Kugor, der sich damit wohl für seinen morgigen Kampf - den „Tanz auf der Klippe“- präparieren wollte. Im Tempel suchte ich das Stille Gebet zum Herrn des Glücks, der wieder einmal so huldvoll auf mich herab gelächelt hatte an diesem Tag. Meine Taschen wogen schwer vom erwetteten Gold, und ich wäre der Letzte, der den Göttern den ihnen zustehenden Anteil verweigern würde. Man sagt den Schwarzmagiern ja im Allgemeinen nach, sie seien gottlose Gesellen die die Zwölfe nicht ehren würden, und sicher mag es da welche geben. Aber ich bin in dieser Hinsicht wohl anders, und schäme mich dessen auch nicht. So tätschelte ich zum Abschied den Schwanz der Fuchsstatue und lies beim Hinausgehen klimpernd 13 Dukaten in die Opferschale fallen, was dem anwesenden Geweihten ein fröhliches Grinsen entlockte.

Zurück in der Herberge gaben wir uns nach einem guten Mal, das von einem noch viel exquisiteren Wein begleitet wurde den Azinajida ausgab und dafür satte 30 Güldene berappte, der wohlverdienten Ruhe hin. Auch Simodes suchte unsere Herberge auf, zwei Schönheiten im Arm, die nur Augen für ihn hatten. Er provozierte meine Begleiter und insbesondere Kugor erneut und hatte sichtlich Spaß daran, den Zwerg auf die Palme zu bringen, bis dieser ihn mit einem Wutausbruch unseres Tisches verwies. Der nächste Tag dürfte wieder spannend werden, und so war es auch.

Der zweite Tag in der Arena

Faramud bekam den ersten Kampf und hatte direkt kein Glück gegen die blitzschnell mit einem Speer und damit der längeren Reichweite kämpfenden Echse. Vielleicht war ihm auch die Waffe, welche er sich gestern noch schnell gekauft hatte, unvertraut. Auf jeden Fall gab er kein gutes Bild ab, insofern wäre dieser Kampf wenig bemerkenswert gewesen, wenn nicht dabei noch zwei Dinge geschehen wären. Zum einen setzte ich, schon ein schlechtes Gefühl dabei habend, was gleich passieren würde, nicht auf unseren eigenen Kämpfer Faramud wie es die junge Alara tat, sondern auf seinen Gegner. Ich hatte ja auch recht damit und verdiente noch einmal ein wenig Gold dabei, wenn auch die Quoten kaum noch der Rede wert waren. Woher dieses Gefühl kam? Nun, nennen wir es eine Eingebung, oder auch Wink des Schicksals, auf jeden Fall wirkte der Armatrutz, den ich Faramud mit auf den Weg geben wollte nicht, was ich als Zeichen des Herrn Phex deutete und damit anscheinend auch nicht falsch lag. Zum zweiten ging ich, noch während des Kampfes wo alle abgelenkt waren, zur Dame Charazar und erteilte ihr unbemerkt von allen Anderen Auskunft über den Verbleib des Herrn von Rosenfels, was sie großzügig mit 5 Dukaten entlohnte.

Die Wette im nächsten Kampf auf Simodes war dann schon reine Formsache und brachte auch so gut wie nichts ein, da er seinen Gegner innerhalb kürzester Zeit von der künstlichen Plattform stieß, welche die "Klippe" darstellen sollte. I untersuchte vorher auch wieder gegen Gold seinen Gegner auf magisches Wirken und wurde tatsächlich sogar fündig. Ein Armatrutz wie es schien, was ich ihm auch mitteilte. Aber das focht ihn, aus augenscheinlichen Gründen, in keinster Weise an und änderte auch nichts an seiner totalen Dominanz in diesem Kampf.

Bei Kugor sah die Sache schließlich schon wieder etwas anders aus. Der Armatrutz wirkte, wir platzierten unsere Wetten auf den Kurzen, der schon sichtlich Mühen hatte überhaupt die 5 Schritt hohe Plattform zu erklimmen. Sein gepanzerter Leib glänzte vom Öl das ich ihm besorgt hatte. Die Gegnerin des Tages war tatsächlich eine der Hammerfaust-Kämpferinnen die eine Skraja – eine kurze Axt- trug, was dem Zwerg sicher entgegenkam. Er begann das Gefecht sogar unbewaffnet, hielt ihren Axthieben stand und versuchte sie zu fassen zu bekommen. Es dauerte zwar seine Zeit, aber tatsächlich schaffte es der Angroscho irgendwann, das Weib von der Plattform zu stoßen. Seine Waffen zog er erst, als die Thorwalerin noch einmal zurück klettern und sich nicht geschlagen geben wollte. Kugor ließ seinen Streitkolben auf ihre Finger sausen, als sie auf die Plattform zurück kletterte, und der zweite Sturz beendete den Kampf und bescherte uns ein wenig Wettgold. Er selbst feierte sich und beglückwünschte sich zu seinem ehrenhaften Kampf und seiner Strategie. Aber das Publikum und die Hammerfäuste sahen das wohl anders. Buhrufe erklangen und am Ende wurden er und wir gar von diesen garstigen Thorwalern bedroht... furchtbare Menschen!

Unsere erste Aufgabe aber war erfüllt, so dass wir direkt zu den Charazars wollten um vorzusprechen und den Knochen einzufordern. Mein Abstecher auf dem Weg beim Phextempel und auch das heutige Opfer waren quasi obligatorisch. Um es kurz zu sagen, mit dem Echsenblut in den Adern der Charazars, das musste irgendwie stimmen. Das Haus feucht, stinkig und sumpfig, die Leute seltsam, aber immerhin der Knochen für uns. Kugor hätte zwar am liebsten das Kämpfen aufgehört da ihn das zu erwartende Wasser am nächsten Tag schreckte, aber er wurde freundlich davon "überzeugt", dass dies keine gute Idee sei. Anschließend wollten Azina und ich noch einmal im Roten Salamander einkaufen, aber die Laune dazu wurde mir gründlich verdorben. Kaum hatten wir den Laden betreten und ich angefangen mich nach einigen Dingen zu erkundigen, öffnete sich die Tür und Junicera betrat den Raum. Diesmal schaffte ich es nicht, schnell genug hinter den Regalen zu verschwinden. Meine geliebte Dame machte mir eine Szene, dass es Belkelel eine wahre Freude gewesen sein musste. Wie eine Furie beschimpfte sie mich, ließ keine Erklärung gelten, wünschte mir die Dämonen an den Hals (bei ihr ja wirklich nicht gerade ungefährlich!) und war kaum zu besänftigen. Ich fühlte mich, angesichts der Tirade, richtig elend, wusste ich doch auch kaum etwas zu meiner Verteidigung vorzubringen, versprach ihr aber ein Geschenk als Wiedergutmachung, wenn wir nur erst wieder aus dem Dschungel zurück wären. Anscheinend wollte sie diesmal auf Nummer sicher gehen, denn bevor sie wütend von dannen zog und mich beschämt zurück lies, nahm sie noch ein Büschel meiner Haare mit sich. Das war kein gutes Zeichen...

Der Rest ist schnell erzählt. Simodes hat das Tunier, wie von mir erwartet, gewonnen. Kugor verlor im Halbfinale auf dem Wasser gegen die Echse Xelfasr, die ihm mit dem Speer das Bein so brutal durchbohrte, dass der Spieß hinten wieder herauskam. Wetten war angesichts der mittlerweile lächerlichen Quoten dann auch nicht mehr sinnvoll. Dafür hatte der Herr Qunitore mit dem Knochen den Standort der gesuchten Stadt Vas'Ras ermittelt, sie musste wohl den Fluss Gangreb hinauf liegen, und drängte auf den Aufbruch. Als zusätzlichen Schutz hatte er noch weitere Championata-Kämpfer angeworben: die Echse Xelfasr und die Tulamidin Kamira Amirates. Simodes wollte man, auch wenn ich es persönlich nicht verstehen konnte, ausdrücklich nicht dabeihaben.

Dabei waren meine Erinnerungen an diese letzten beiden Tage in Brabak eher neblig. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so genau, was ich in der Zeit explizit gemacht hatte. Meine erste Vermutung war, dass ich öfter einmal im Rahjatempel gewesen wäre, aber das, so wurde mir nachher bestätigt, war nicht der Fall gewesen. Ob sich dieses Rätsel wohl noch aufklären würde? Die Hammerfäuste, so sagte man mir, hatten wohl versucht Rache zu nehmen und einen Sack Mysobvipern in unser Zimmer geworfen, aber Peraine sei Dank ist da nichts Schlimmeres passiert. Ich selbst konnte mich daran aber gar nicht erinnern.

Vor der Abreise

Am Tage nach der Championata trafen wir uns mit Selisia, der Enkelin des Gelehrten, um letzte Reisevorbereitungen zu treffen. Wir kauften auf dem Markt ein, wobei ich mich da beraten lies was das Notwendige anging, hatte ich doch mit richtigen Expeditionen in den Dschungel noch keine echte Erfahrung. Der Herr Quintore übernahm später die Auslagen, aber ich hatte es ja auch mit dem Einkauf nicht übertrieben. Lediglich ein Wickeltuch für den Kopf, ein Mückenschleier sowie eine Hängematte und etwas Egelschreck erwarb ich. Den Kauf eines Haumessers hingegen verweigerte ich. Nicht, dass ich es nicht für nützlich gehalten hätte, aber so ein Ding war einfach unter meiner Würde! Ein Magus lässt hauen, und haut nicht selbst! Wo kämen wir denn dahin? Dafür gäbe es ja wohl Träger, Sklaven, Leibwächter und ähnliches profanes Volk...

Unsere Reiseroute würde die ersten 10 Tage den Mysob hinauf mit dem Flussschiff bis Syplhur führen. Dort würde uns dann der Lauf des Gangreb bis in die Berge geleiten, wo Vas'Ras in einem versteckten Talkessel liegen sollte. Übermogen würden wir aufbrechen, so blieb uns also noch genug Zeit, für ein wenig Bummelei. Am Abend versuchte ich noch, in Kugors Gedanken zu lesen, aber bei Hesinde, der Zwerg hatte einen rechten Eisenschädel... ich versagte kläglich, sah es aber gleichzeitig für die kommenden Tage als Herausforderung an, diesen Panzer zwergischer Sturheit zu überwinden. Außerdem fand sich Simodes wieder bei uns ein, und diesmal schien er mehr Erfolg zu haben, da er Azinajida sogar dazu überredete, mit ihm die Therme zu besuchen. Ich wiederum hielt das für eine gute Idee und lud meinerseits die Schankmaid Alara dazu ein, worauf sie sich gerne einließ. Das war ja auch kein Wunder, bei meinem hervorragenden Aussehen... zudem zeigte sie überraschendes Interesse an den Ausrichtungen und Spielarten der Gildenmagie. Aufgeweckt war sie ja, dass musste man ihr lassen. Aus der Kleinen hätte wohl mehr als nur eine Kellnerin werden können, hätte man sie nur rechtzeitig entdeckt, vielleicht sogar nicht nur eine einfache Schreiberin, sondern sogar eine hesindegefällige Gelehrte... schade, schade…

Der nächste Tag begann mit einem kleinen Frühstück und Schießübungen, die Alara hinter dem Haus machte. Faramud wollte ihr zeigen, wie man mit einer Art Armbrust umging, die statt Bolzen Kugeln verschoss. Aber für die arme Alara war es schon zu schwierig, das unhandliche Ding richtig zu spannen, geschweige denn eine Hauswand zu treffen. Für mich beschloss ich, lieber hinter statt vor ihr ihr zu stehen, wenn sie damit einmal ernsthaft hantieren sollte... das mochte lebensgefährlich sein! Wir waren schon fast abmarschbereit Richtung Therme, da tauchte plötzlich meine geliebte Junicera bei der Herberge auf. Nach ihrem letzten Abgang hatte ich schon vermutet, sie hätte mich zum Zant gejagt und das Kapitel uns beide betreffend abgeschlossen. Aber mitnichten! Offensichtlich wog meine unglaubliche Anziehungskraft auf die Damenwelt doch schwerer, und ich wusste mir nicht anders zu helfen, als die arme Alara zu versetzen und mit Junicera die Therme zu besuchen, um schönes Wetter zu machen. Dabei sabotierte dieser dreckige Zwerg Kugor mein Vorhaben, romantische Stimmung zu bereiten, aufs heftigste. Aber das würde ich mir merken und ihm zu gegebener Zeit heimzahlen... Den Rest des Tages und auch die folgende Nacht verbrachte ich dann mit Junicera in rahjagefälliger Weise, wobei erneut der dumme Zwerg versuchte, mich mit dummen Sprüchen in den Sumpf zu ziehen, wenn wir einmal alle beisammen waren. Junicera ließ sich da so einiges gefallen und ich war erstaunt, dass sie ihm nicht gleich einen Hesthot auf den Hals hetzte, spätestens als andeutete, dass sie ja schon eine alte verbrauchte Frau sei... ich habe ihn mein deutliches missfallen dann unauffällig mit einem unter dem Thermenwasser gewirkten Fulminictus spüren lassen, der ihm hoffentlich ordentlich in die Glieder gefahren ist... noch ein Grund vielleicht nicht nur den Blick in die Gedanken an ihm zu erproben, sondern noch andere Zauber an ihm zu testen...

Auf in den Dschungel!

Tags darauf brachen wir dann auf. Das Flusschiff, welches uns den Mysob hinauf trug war vielleicht nicht schneller als wir es zu Fuß gewesen wären, aber immerhin bequemer. Insgesamt bestand unsere Reisegruppe nun aus 13 Personen. Was für eine unheilige Zahl, da hatte der Herr Quintore aber schlecht geplant! Er selbst und seine Enkelin sowie die beiden noch angeworbenen Gladiatoren, Faramud, Kugor, Alara, Azinajida (mit ihrem Hund) sowie ich selbst, dazu noch 3 Träger und ein wildniskundiger Führer. Meine liebe Junicera hatte mir ja angekündigt, sich meiner diesmal mit einem kleinen Gotongi zu versichern, und spätestens als eine tote Seemöwe an Deck fiel, deren erkaltender Leib noch Reste eines Horriphobus aufwies, was ich vermittels Odems verifizierte, war ich mir sicher, dass sie das nicht nur zum Spaß gesagt hatte. Wir hatten also einen unsichtbaren dämonischen Begleiter... meine Gefährten waren davon alles andere als angetan, aber tun konnten sie nichts dagegen, die armen Narren. Wie wollten sie etwas Fliegendes bekämpfen, dass sie noch nicht einmal sahen? Später am Tag versperrte uns kurz ein umgestürztes Boot den weg, das Spuren eines Alligatorangriffs aufwies. Die Echsen ruhten hier zuhauf auf den Sandbänken. Ein Bad wäre also keine gute Idee. Aber Faramud bugsierte den Kahn mit einer Hakenstange aus der Fahrrinne und ansonsten verlief der Auftakt unserer Reise erfreulich unspektakulär.

Das Wetter empfand ich, ganz im Gegensatz zu einigen meiner Begleiter, als sehr angenehm. Es war warm, ein wenig Feuchte lag in der Luft und hin und wieder überraschte uns ein warmer Schauer der den Staub abwusch. Unwillkürlich dachte ich in einem ruhigen Moment an daheim: in Al'Anfa und auf unserer Plantage war es nicht anders... Ruhige Momente hatten wir in den ersten Stunden der Reise dann auch genug. Der Mysob führte ja nur Niedrigwasser auf Grund der Jahreszeit, so dass wenig Verkehr den Fluss hinauf und hinunter fuhr, waren doch Boote mit größerem Tiefgang derzeit kaum schiffbar. Nur hin und wieder kreuzte ein Kahn unseren Weg oder sahen wir Einheimische am Ufer beim Speerfischen oder Angeln. So blieb reichlich Zeit und Muße für Gespräche mit den Anderen. Ich war gerade dabei, meinen weniger mit Gelehrsamkeit begüterten Gefährten die allegorische Verwendung und Einbindung der Zwölfgötter in die Alchemie zu erklären, wie zum Beispiel die Nutzung von Rabenfedern als Symbol Borons im Schlaftrunk oder von Schlangenhäuten stellvertretend für Hesinde in Klugheitselixieren - man nannte das dann sympathetische Komponenten - als Azinajida, die anscheinend sowohl wenig von meinem Vortrag gefesselt war als auch scharfe Augen hatte, auf einer Insel einen hilfsbedürftigen Menschen erspähte. Ich selbst vermochte es auf die Entfernung schwer erkennen, hätte es gar übersehen, wenn Azinajida nichts gesagt hätte, aber tatsächlich war auf einem wasserumspülten Landstück eine Person, möglicherweise ein Kind, vor drei Alligatoren auf einen Baum geflüchtet. Allein, mit drei dieser Monsterechsen wollte sich keiner der im Boot befindlichen einfach so anlegen und womöglich gefressen werden. Es war wiederum Azinajida, die als wir näher kamen das Heft des Handelns in die Hand nahm. Sie zückte ein langes Seil, an dem sie einen Wurfhaken hatte, und schleuderte diesen ins Geäst des Baumes. Der Haken hielt dermaßen gut, dass selbst Kugor mit seinem vollen Kampfgewicht ihn nicht loszureißen vermochte. Wir waren nun so nahe, dass man ein Mohamädchen, eher eine adoleszierende Jugendliche, erkennen konnte, die aber nicht selbst herüber klettern wollte, weil sie am Fuße verletzt war. Azina kletterte daraufhin, behände wie ein Gaukler, ich war völlig perplex, vom Boot am Seil hinauf in den Baum, schnürte sich die junge Mohaha auf den Rücken und kam zurückgeturnt. Erstaunlich diese Dame! Das waren Qualitäten, die eine einfache Medica normal kaum haben sollte...

Das Mohamädchen, ein überaus genehmer Anblick von schlanker, drahtiger Statur in der ersten blühte des weiblichen erwachen und zudem völlig nackt, wurde erst einmal von Atzina verarztet. Währenddessen unterhielten Alara und ich uns mit dem Mädchen, sprachen wir doch beide ihre Sprache, ich etwas besser als Alara, sie aber dafür unser Garethi nicht. Sie war beim Fischen unachtsam gewesen, von den Echsen überrascht worden und hatte sich gerade so noch auf den Baum retten können. Ihr Stamm wäre etwas den Fluss hinauf, wo es auch einen Handelsposten gäbe, mit dem die ihren regelmäßig Waren austauschten. Eigentlich hatten wir erst vor sie dort abzuliefern, aber als das Gespräch auf den Zweck unserer Reise kam zeigte sich erstaunlicherweise, dass sie den Pfad des Todes und die versunkene Stadt aus Erzählungen ihres Volkes zu kennen schien. Da es uns auf einen Tag mehr oder weniger nicht ankam, Vas'Ras würde nach der langen Zeit die es im Dschungel verborgen lag kaum davonlaufen, beschlossen wir, dem Stamm einen kurzen Besuch abzustatten und die Kleine, deren Name Keke war, dort selbst abzuliefern.

Wir verbrachten den Abend und die Nacht dann an besagter Handelsstation, die wir einige Stunden später erreichten. Die Station war wenig mehr als eine Ansammlung ärmlicher Hütten am Flussufer, die sich um eine zentrale Feuerstelle drängten. Nicht einmal ein Dach über dem Kopf wurde uns geboten, so dass wir in unseren Hängematten im freien nächtigen mussten. Am Abend machte ich mir, in mohischer Zunge sprechend, einen Spaß daraus mit Keke über den Zwerg, der sie sichtlich faszinierte, zu reden und bei der Übersetzung das ein oder andere bewusst zu verdrehen. Es war sehr vergnüglich, die Nase des Zwergen in seinem Bart vor Empörung - oder vielleicht auch Scham - Rot anschwellen zu sehen. Leider verleidete mir Alara den ein oder anderen Jux, aber irgendwann war es auch gut und wir begaben uns zur Ruhe. Wachen stellten wir keine auf, da der Besitzer der Handelsstation meinte, dies sei nicht nötig. Feinde gäbe es hier keine, und die Tiere trauten sich eh nicht in den Feuerschein. So schliefen wir beruhigt ein.... und erwachten von einem erstickten Schrei, der aus etwa 2 Dutzend Schritt Entfernung erklang. Ich musste mir erst einmal eine Fackel vom Feuer holen, denn es war finster wie im Bärenarsch und ich sah kaum die Hand vor Augen, während meine Gefährten bereits blindlings in die Nacht stürmten. Als ich ankam war der Spuck auch schon vorbei. Azinajida hatte sich, wie unvorsichtig und dumm, allein im Dunkeln Richtung Dschungel aufgemacht, wo sich ihr in zärtlicher Umarmung eine Würgeschlange um den Hals gelegt hatte, die sich aber wohl eine andere Beute suchen dürfte, nachdem sie von allen Anwesenden kräftig malträtiert worden war. Daraufhin begaben wir uns wieder zu Ruhe, aber erneut wurde ich im Schlummer gestört, stand Azinajida doch diesmal mit einer Knochensäge über mich gebeugt im flackernden Feuerschein, und ich meinte, in ihrem Gesicht ein irgendwie irres grinsen im Schattenspiel der Flammen zu sehen. Vor Schreck fiel ich mit einem Schrei aus meiner Hängematte, was sie wohl wieder zur Besinnung brachte, mich aber erneut der wohlverdienten Ruhe beraubte. Zum Glück verlief dann wenigstens das bisschen übrige Nacht friedvoll...

Am nächsten Tag machten wir uns dann, unter Führung der kleinen Keke, auf in den Dschungel um ihren Stamm zu finden. Ich muss zugeben, ich wäre hier alleine wohl verloren. Nicht nur das ich dort wo wir lang gingen keinerlei Pfad erkennen mochte, auch die Gefahren des Weges wären mir wohl in der Masse entgangen und ich konnte nur dank der Hinweise von Keke so mancher Schlange, Skorpion, Spinne und anderem unangenehmen Getier entgehen. Ganz zu schweigen davon, dass ich die Orientierung innerhalb kürzester Zeit verloren hatte. Es dauerte etwa drei Stunden, bis wir das palisadengeschützte Dorf der jungen Frau, zu dieser Überzeugung hatte ich mich mittlerweile durchgerungen, gefunden hatten. Unsere Waffen mussten wir abgeben, konnten dann aber direkt in der größten Hütte des Dorfes mit dem Häuptling sprechen und unser Anliegen nach dem gemeinsamen Genuss von Rauchkraut vortragen. Er dankte uns für die Rettung Kekes, die sich uns als Führer erbot. Wir hätten das Angebot auch sofort angenommen, aber der Häuptling wollte dazu erst seinen Schamanen, und dieser wiederum seine Geister befragen, ob das eine gute Idee wäre. Ich war Neugierig, wie dieser Wilde wohl dazu käme, einen Geist zu beschwören, kannte ich doch bisher nur vom Papier her einige Geschichten darüber. Mir wurde die Erlaubnis erteilt den Schamanen zu begleiten und so wurde ich Zeuge, wie er unter Verbrennung von Kräutern, Getrommel und ums Feuer Getanze nach einer gefühlten Ewigkeit tatsächlich einen Geist herbeirief und mit diesem Zwiesprache hielt. Wie uneffektiv und primitiv diese Art der Nutzung von Magie war erkannte ich sofort. Ja, es erreichte seinen Zweck, aber der wissenschaftlich-fundierte Aspekt des ganzen war lächerlich. Einen Geist zu rufen sollte mit Bannkreis und Formel keine fünf Minuten dauern, und nicht ewiges Gesinge in Anspruch nehmen... aber so war es nun einmal, und ich konnte für mich wieder erkennen, dass die Gildenmagie dieser simplizistischen Naturzauberei um Welten überlegen war.

Erfreulich war aber, dass Keke uns danach begleiten durfte. Ich hatte bereits begonnen, das Mädel zu mögen. Also machten wir uns auf den Weg zurück zum Fluss, um bald unsere Reise fortsetzen zu können. Keke erkannte in den nächsten Tagen, das ich, in ihren hübschen braunen Augen, ein mächtiger Schamane sei, warf sich mir zu Füßen und begann in der Folge, hemmungslos mit mir zu flirten, sich an mich heranzuwerfen und eindeutige Avancen zu machen. Dies brachte mich in einen ernsthaften Konflikt. Nicht, dass ich nicht gewollt hätte. Aber die Angst, dass immer noch der Gotongi von Junicera mich beobachten mochte machte mir schwer zu schaffen. Gar nicht auszudenken was sie anstellen mochte, sollte ihr Späher ihr berichten ich hätte mich so kurz nach unserem Wiedersehen erneut anderweitig vergnügt“ Genauso gut mochte es ihr aber vielleicht völlig egal sein oder der Gotongi schon wieder fort, das war schwer zu sagen. Ich haderte da jetzt heftig mit mir, was ich tun sollte, auch wenn die Versuchung groß war. So eine belanglose Tändelei mit Keke wäre jetzt eine willkommene Ablenkung gewesen. Dummerweise wurde ich auch aus Alara an dieser Stelle nicht ganz schlau, mit der ich ja noch nicht einmal etwas angefangen hatte, die aber seltsamerweise anscheinend immer noch nachtragend war ob der Geschichte mit der Therme. Vielleicht hatte sie sich ja auch in mich verliebt und war deswegen so seltsam? Wundern würde es mich nicht, sie wäre ja nicht die erste die meinem unwiderstehlichen äußeren verfallen wäre... manchmal war es schon eine Bürde, so von Rahja gesegnet zu sein wie ich!

Außerdem verbrachte ich die Reisetage noch damit am Zwergen Kugor und seinem wahrhaft eisernen Willen meine Zauberkraft zu erproben. Drei Tage dauerte es, bis es mir endlich gelang das erste Mal einen simplen Blitz Dich Find in seinen sturen Zwergenschädel zu hämmern, aber er meinte, er habe es kaum gespürt und nur seine Sicht sei sehr kurzzeitig etwas unscharf gewesen. Fürwahr, was für eine Willensstärke! Ich war ernsthaft fasziniert von diesem kurzen Gesellen. Dann wollte ich die Steigerung der Herausforderung und wechselte vom einfachen Blitz auf den ungleich schwereren Bannbaladin. Die ersten Versuche schlugen einfach nur fehl. Dann aber, Hesinde steh mir bei, was wolltest Du mir damit sagen? passierte etwas Ungeheuerliches. Ich blickte Kugor, wie bei diesem Zauber üblich, in die Augen und sprach die Formel, spürte aber sofort, dass diesmal etwas nicht stimmte. Die magische Matrix schien mir regelrecht zu entgleiten, löste sich aber nicht wie die letzten Male beim Misserfolg einfach auf und zerplatzte am Panzer des Zwergen, sondern wand sich in seinen Kopf hinein. Aber statt mir nun in Freundschaft zugetan zu sein, wie es sonst die Folge dieses Zaubers wäre, ging der kleine Geselle auf einmal zornentbrannt auf mich los, beschimpfte mich wüst, packte mich an der Robe, schüttelte mich, nahm mich in den Würgegriff und drohte mir schlimmste Dinge an. Ich war entsetzt! Auf einmal kam er wieder auf seine Haare zurück, die ich ihm wohl hätte stehlen wollen (was ich, zugegebenermaßen, bei der Gelegenheit auch versuchte aber erneut kläglich scheiterte), und er würde sie schon aus mir heraus schütteln. Azinajida mischte sich hier beruhigend ein, erbot sich gar mich zu durchsuchen, fand dabei leider auch die Zwergenhaare die mir Alara schon einmal gegeben hatte, aber verriet mich nicht an den tobenden Angroschim. Hoppla, was war das? Sie deckte mich, obwohl ich hier offensichtlich die Unwahrheit gesagt hatte? Sie hätte mich ohne weiteres dem wütenden Zwerg ausliefern können, nahm aber lediglich die Haare an sich, verbrannte sie und log selbst zu meinen Gunsten, dass ich keine Haare von ihm gehabt hätte...das rechnete ich ihr hoch an und würde ich mir merken. Diese Maraskanerin hatte wohl jetzt einen Gefallen gut bei mir, bei Phex.

Da ich an dem Zwerg nun magisch so gescheitert war beschloss ich, auf ein leichteres Ziel zu wechseln und versuchte mich, vorher um Erlaubnis fragend, an Alara, die ein deutlich leichteres Ziel für den Banbaladin darstellen dürfte. Mein Entsetzen steigerte sich ins schier unermessliche, als der gleiche Effekt wie bei Kugor erneut einsetzte, nur dass diesmal eine wildkatzengleich fauchende Alara auf mich losging. Zum Glück war sie deutlich weniger kampferprobt als Kugor und so stümperten wir herum, sie auf mich einpatschend, ich mich mit gehobenen Armen meiner Haut erwehrend, bis ihr Zorn verraucht war. Ich glaubte, Hesinde wollte mir damit ein Zeichen senden, ich solle nicht herumspielen, und so ließ ich das Ganze bis zu unserer ansonsten ereignislosen Ankunft in Sylphur bleiben und schonte meine Kräfte.

Von Sylphur den Gangreb hinauf

Sylphur war, für diese Gegend zumindest, quasi schon eine Stadt. Eine armselige, aber immerhin eine Stadt in der sicher 800 Seelen leben mochten. Eine Befestigung gab es nicht, was mich wunderte, wusste man doch nie, was alles so aus dem Dschungel herauskriechen mochte. Das einzige für uns auf den ersten Blick auffälliges Gebäude war ein großer Gutshof, das mochte vielleicht die örtliche Magistrale sein. Wir hielten uns aber nicht weiter auf. Eine Nacht wollten wir hier verbringen, um am nächsten Morgen zeitig aufzubrechen. In der Taverne, die uns als Lager dienen sollte, machte uns der Wirt, dem nicht entging das wir anscheinend in den Dschungel reisen wollten, darauf aufmerksam, dass die örtliche Garde jemand für einen kleinen Dienst im östlichen Dschungel suchte. Der Anschlag, er hing außen an der Taverne, war schnell gefunden und wir mussten uns noch nicht einmal zur Wache begeben, da die Gardisten selbst zu Mittag in unserer Unterkunft speisten. So erhielten wir, ganz nebenbei, noch den Auftrag in einer Siedlung Namens Gangriba etwa 6 oder 7 Tagesmärsche den Fluss Gangreb hinauf, nach dem Rechten zu sehen und hier wieder Bericht zu erstatten. Man hätte schon länger nichts mehr von dort gehört und wollte zumindest einmal nachfragen (lassen), ob alles in Ordnung sei. Dafür sollten wir ganze 10 Brabaker Kronen erhalten. Das ist zwar eine minderwertige Währung, verglichen zum Beispiel mit den ungleich wertvolleren Al‘Anfaner Dublonen und kaum der Rede Wert, aber es lag ja eh auf unserem Weg. Wir willigten also ein und verbrachten den restlichen Tag in aller Ruhe. Dabei kam die Sprache noch einmal auf unseren vermuteten dämonischen Beobachter und ich bot erneut an, diesen mittels eines eigenen Dämons zu entsorgen. Erstaunlicherweise hätte Azinajida mich bei diesem Vorhaben sogar unterstützt und stimmte mir zu, nur Faramud war erneut beweglich wie eine Stahlstange und wollte dies um keinen Preis Deres akzeptieren. Da wir wieder nicht zu einem Ergebnis gekommen waren empfahl ich mich und translozierte mich mittels Transversalis direkt auf mein Zimmer um zu ruhen, was, wie ich im Nachhinein hörte, bei dem ein oder anderen Gefährten heftiges erstaunen auslöste.

Am darauffolgenden Tag machten wir uns dann auf in den Dschungel. Der Pfad war wohl schon älter, nur wenig begangen und recht beschwerlich. Obwohl wir grob dem Lauf des Gangreb folgten, wand sich auch der Weg immer wieder einmal vom Fluss weg. Dabei mussten unsere Kraftmeier immer wieder ihre Macheten gebrauchen, um den Pfad freizuhacken. Meist war er zugewuchert oder wir mussten umgestürzte Riesenbäume umgehen. Hier war eindeutig kein regelmäßiger Handel im Gange. Aber gut, das mochte sowieso besser über den Fluss abzuwickeln sein und es gab ansonsten auch wenige Leute, die hier wie wir Interesse daran hatten ins nirgendwo zu ziehen. Und die örtlichen Waldmenschen brauchten sicher auch keine Wege... apropos Waldmenschen. Die hübsche Keke war uns eine unschätzbare Hilfe und machte jeden von uns Stadttrampeln immer wieder auf die Gefahren der örtlichen Fauna und Flora aufmerksam. Ich glaube, Azinajida hätte viel zu tun gehabt uns zu heilen, hätten wir das Mädel nicht als Führerin mitgenommen. So passierten höchstens einmal kleinere Unannehmlichkeiten, aber zumindest keine großen Unglücke. Am Anfang trafen wir hin und wieder noch jemandem auf dem Weg oder am Fluss. Fischer, Goldwäscher und Jäger, die hier ihrer Arbeit nachgingen. Alles einfache Menschen, mit denen eine Konversation quasi nicht lohnte, die aber zeigten das wir noch in bewohntem Gebiet waren. Doch schon nach drei Tagen Reise waren wir quasi alleine im Dschungel unterwegs, trafen keine Menschenseele mehr und das Klima konnte einem wirklich aufs Gemüt drücken. Nun bin ich dank meiner Herkunft dieses Wetter ja quasi gewöhnt, aber nehmen wir zum Beispiel Faramud. Selbst dieser offensichtlich gestandene Recke sah sich, nachdem er einen Tag beim Marsch in seinem Kettenhemd gesotten wurde, dazu genötigt, sich seiner Rüstung zu entledigen und mit leichter Bekleidung weiter zu reisen. Der Arme muss darunter geschwitzt haben wie ein Schwein... Für mich hingegen wurde die Reise von Tag zu Tag erfreulicher. Es hatten sich nun schon gefühlt eine Ewigkeit keine Anzeichen mehr für die Beobachtung durch einen Gotongi gezeigt. Kein kalter Hauch der einen erhaschte, kein Schwefelgestank in der Nähe, keine erschreckten Tiere oder toten Vögel die herunterfielen, was hier im Dschungel wo allerorten Papageien, Kolibris und ähnliches durch die Gegend flog mit Sicherheit passiert wäre... das passte, denn auch die Länge des Dienstes spielte bei Dämonen ja eine entscheidende Rolle. Und die Mühe den Dienst so lange auszudehnen wollte Junicera sich dann anscheinend doch nicht machen, wenn sie das auch sicher gekonnt hätte. Darüber musste ich mir also schon einmal keine Gedanken mehr machen, und meine Laune besserte sich zusehends, was ich den Anderen gegenüber auch kundtat. Zudem war dieser Marsch eine Fundgrube an alchemistischen Zutaten. So konnte ich zum Beispiel eines morgens einfach aufstehen und ohne großen Aufwand meinen Wasserschlauch im tropfnassen Regenwald mit bestem Morgentau füllen, den man ja für den ein oder anderen Trank braucht. Und Keke war so freundlich, mir mangels Handelswaren gegen das Versprechen eines kleinen Gefallens 10 schwarze Schlangenhäute, natürlich ohne Schlange darin, zu bringen. Ich begann, gefallen an diesem Dschungel zu finden und konnte so wohlgemut ausschreiten.

Die Schreckensechse

Nach 9 Tagen strapaziösen Marschs kamen wir an der, wie wir zumindest vermuteten, gesuchten Siedlung Gangriba an. Dabei handelte es sich um nicht viel mehr als eine kleine Ansammlung von überwucherten Pfahlbauten und Hüttenresten auf einer Lichtung, in der vielleicht einmal ein Dutzend Leute gelebt haben mögen. Das aber niemand mehr hier war, war sofort augenscheinlich. Kein Rauch von Kochfeuern, keine streunenden Hunde oder Schweine, keine Geräusche... diese Siedlung war eindeutig verlassen. Trotzdem, oder besser gerade deshalb, begannen wir uns umzusehen, immerhin sollten wir in Sylphur ja berichten. Die menschenleeren Hütten sahen aus, als wären sie hastig und nicht geplant verlassen worden, da sie nicht leergeräumt waren. Also waren im Laufe der Zeit wohl auch keine Plünderer hier gewesen. Es sah eher so aus, als hätten die Bewohner alles verlassen, um später wieder zurückkehren zu können. Allerdings fanden wir auch keinerlei Spuren, die auf einen Kampf hingedeutet hätten, dafür am Flussufer aber ein großes Boot, das ebenfalls verlassen anscheinend hier zurückgelassen worden war. Alles war intakt, nur die Bewohner schienen wie vom Antlitz Deres verschwunden. Keke, die ich wohl getrost als unsere einzige Spurenleserin bezeichnen konnte, tat genau das. Sie suchte im Umkreis nach Fährten oder anderen Zeichen und fand auch welche. Etwa 100 Schritt vom Dorf entfernt stand ein großer, und damit meine ich richtig großer, stabiler eiserner Käfig, der trotz seiner massiv wirkenden Stangen von innen aufgerissen worden war. In der Nähe stieß Keke dann auf einen gewaltigen Fußabdruck mit 5 Klauen, die länger als mein Langdolch gewesen sein mussten. Ein solches Tier war mir völlig unbekannt. Auf der anderen Seite... ich hätte die Fährte eines Hundes und einer Katze ja auch nicht unterscheiden können...es musste einfach groß gewesen sein. Keke zischte entsetzt ein Wort auf mohisch, das ich trotz meiner Sprachkenntnis nicht kannte und umschrieb es mir dann mit "Große Echse". Tatsächlich hatten die Abdrücke eine gewisse Ähnlichkeit mit denen unserer Begleiterin Xel'Fasr. Diese meinte dann, es müsse sich um einen Schlinger, eine Art großer Raubechse handeln, und damit konnte ich zumindest ein Bild in einem Lehrbuch für die südlichen Tierarten verbinden - ein gefährliches Wesen, dem wir kaum beikommen würden.

Durchdringender Verwesungsgeruch führte uns dann noch zu einer Leiche, die grausam verstümmelt und zudem schon völlig vergammelt war. Azina meinte, die Bisswunden seien sicher schon 6-8Wochen alt und das glaubte ich ihr, sie schien ja mit sowas reichlich Erfahrung zu haben. Erneut freute ich mich über den Dschungel... Faramud schlug der Leiche den Kopf ab, immerhin hatte man uns vor dem Yaq-Hai, eine Art Dämon der im Dschungel umgeht und die Toten erhebt, gewarnt. Und ich nahm den Schädel mit... was für ein Glück, einfach so einen zu bekommen, der nicht auf einem Boronanger bestattet war und nach dem keiner Fragen würde! Auch das war eine alchemistische Zutat. Ich würde mir wohl in Brabak doch ein kleines Labor kaufen müssen... leider wollte Alara ihren Mörser und Stößel nicht herausrücken, sonst hätte ich den Schädel gleich heute Abend zu Knochenmehl zermahlen... nur weil sie meinte, damit würde sie noch kochen wollen... wie kleinlich! Wir waren gerade zurück im Dorf, als zuerst Azina und dann ich selbst ein leichtes beben der Erde warnahmen. Kurz darauf hörten wir ein markerschütterndes Gebrüll, und leichte Panik breitete sich aus. Der Schlinger würde doch nicht zurückkehren an seine "Futterstelle"? Der rettende Gedanke kam von XelFasr die meinte, die Echse könnte nicht schwimmen. Also rannten wir alle zum Fluss, sprangen in das Boot und Kugor, Azina und Keke stakten uns auf die andere Seite. So mussten sich die Dorfbewohner gefühlt haben, als sie ihre Heimat Hals über Kopf verließen... hinter uns brach der Schlinger aus dem Unterholz. 4 Schritt hoch, ein furchterregender Anblick. Dieses Biest hätte mich wahrscheinlich mit einem einzigen Biss zerteilen können! Auf der anderen Seite diskutierten wir kurz, ob jemand allein nach Sylphur zurück gehen und die Stadt warnen sollte, aber Magister Quintore entschied sich am Ende dagegen. Unser eigentlicher Auftrag hatte Vorrang. Und gegen das entsenden eines Difars, ein kleiner und völlig harmloser Botendämon, was unsere Gruppe in keinster Weise geschwächt hätte, hatte der Steinkopf Faramud wieder seine üblichen und mittlerweile langweiligen Einwände, wohingegen Azina schon wieder einverstanden gewesen wäre. Ich begann, das Mädel wirklich zu mögen! Zuletzt tarnten wir das Boot noch, um es für eine Rückfahrt nutzen zu können, bevor wir wieder für einige Tage im Dschungel verschwanden.

Bergan

Langsam wurde es deutlich, dass wir uns den Bergen näherten. Der Wald wurde lichter und ging zurück, dafür gab es jetzt mehr Felsen und Plateaus. Das Wetter wurde trockener, die stündlichen Schauer und die Dauerfeuchte wichen einem angenehmen, frischen Wind. Ich kann gar nicht mehr sagen der wie viele Tag unserer Reise es war, als wir am Fuße der Berge einen grausigen Fund machten. Eingebettet in rotbraunen Lehm und Schlamm fanden wir die von einer gewaltigen Kraft zerschmetterten Knochen dutzender Personen. Selbst Azina konnte nicht sagen, wie lange diese dort schon liegen mussten, also dürfte es ein Weilchen her sein. Ich frohlockte über den Fund. Noch mehr Schädel für meine Sammlung und zudem noch Knochen eines vertrockneten Leichnams, die man ebenfalls brauchen konnte! Mein Rucksack war jetzt quasi voll, aber es hatte sich erneut gelohnt. Nur meine Gefährten sahen mich irgendwie befremdet an... aber solche Kleingeister konnten natürlich die Notwendigkeit meiner Sammelwut nicht wirklich einschätzen, also sei ihnen ihre Unwissenheit verziehen. Gegenüber der Schlammgrube fand sich, eingebettet in eine 50 Schritt hohe Steilwand, eine Schlucht, oder eher eine schlammige Klamm, durch die das strömte, was wohl die Quelle des Gangreb war, während in der Ferne ein Gewitter grollte. Ich konnte mir lebhaft ausmalen, was mit diesen armen Gestalten dort geschehen sein mochte und mahnte mich selbst, vorsichtig zu sein. Am Eingang der Schlucht fanden wir Stelen, die über und über mit seltsamen Zeichen und Bildern bedeckt waren, so ähnlich wie der Hüftknochen aus dem Besitz dieser Brabaker Echsenfamilie. Wieder verblüffte mich Azina, die eine Linse herauszog und mit dieser mühelos die Inschriften übersetzen konnte. Xenografus-Kantonum, dauerhaft appliziert in ein affines Objekt mit, wie sie sagte, mehrfacher täglicher Anwendbarkeit. Ein echter Schatz in den Händen dieser Heilerin... leider wollte sie sich nicht davon trennen. Das wäre wirklich ein schönes Objekt für einen Kundigen wie mich gewesen... aber sie hatte sich meinen Respekt schon mehr als verdient. Jemanden wie sie würde ich nicht hintergehen, selbst nicht, um ein solch kostbares Artefakt zu erlangen! Die Botschaft auf der Stele war wiederum sehr einfach... Achtung, Gefahr, Tod. Damit hatten wir wohl den gesuchten Pfad des Visar, den Weg des Todes gefunden. Um weiter zu kommen blieben uns also zwei Optionen. Die Steilwand erklimmen, was angesichts des Gepäcks, des Herren Quintore und, wie ich zugeben muss, meiner eigenen mangelnden Fertigkeit beim Klettern ein aussichtsloses Unterfangen war. Oder die Schlucht hinauf weitergehen und hoffen, dass uns nicht dasselbe Schicksal blühen würde wie den dort hinten angespülten armen Tröpfen.

Wir entschieden uns, welch Wunder, für die Schlucht. Klettern wäre so schon blanker Selbstmord gewesen. Wir beeilten uns also, die Klamm zu durchschreiten. Licht gab es nur wenig zwischen den klaustrophobisch eng zusammenstehenden Felswänden, so dass wir in stetiger Dämmerung liefen. Der Boden war mit Schlamm bedeckt, was das vorwärts kommen nicht einfacher machte und jeder Schritt erzeugte ein schmatzendes Geräusch. Man musste gut achtgeben um nicht auszugleiten oder auch stecken zu bleiben. Aber ansonsten war der Gangreb hier nur ein trockenes Rinnsal, der unser Fortkommen nicht behinderte. Nach einer guten Stunde des Aufstiegs erreichten wir einen Talkessel und der Herr Quintore fing an zu jubilieren. Wir waren angekommen und hatten Vas'Ras gefunden, die Stadt der Wudu. Nun ja, Stadt war jetzt übertrieben...

Vas’Ras, Stadt der Wudu

Vor uns lag ein friedliches Tal, das etwa 500 Schritt auf eine Meile im Durchmesser maß. Der Gangreb, hier ja nur ein Bach, teilte es beim durchfließen in zwei Hälften und kam von den Bergen gegenüber aus einer Schlucht, ähnlich der durch die wir gerade gegangen waren. Ein regelrecht idyllischer Ort, perfekt geeignet, um, sagen wir, eine gute Freundin zu einem romantischen Picknick auszuführen, wäre es nicht so abgelegen gewesen. Die Stadt, oder besser das Dörfchen der Wudu, fand sich in einer der Talwände auf einem Plateau. Dreißig Schritt hoch in den Felsen in eine Nische geschlagen sahen wir mehrere uralte, steinerne Gebäude, zu denen eine völlig verwitterte Steintreppe hinauf hätte führen sollen. Das versprach eine anstrengende, wenn nicht sogar gefährliche Kletterpartie zu werden. Da fragten wir uns schon, was so ein Volk von berühmten Navigatoren und Seefahrern hier oben in den Bergen verloren hatte... kamen aber natürlich zu keinem Ergebnis. Im Hintergrund grummelte weiter ein Gewitter irgendwo in den Bergen. Vor der steilen Felswand stehend, erkannten wir die Schwierigkeit des Unterfangens. Die ehemaligen Treppen konnten wir getrost vergessen, allein ein geübter Kletterer mochte hier Erfolg haben. Glücklicherweise hatten wir ja mit Azinajida so ein Äffchen unter uns. Sie turnte dann auch, behände wie eine Eichkatze, die Wand hinauf, als wäre es ein Spaziergang. Ich hätte mir da alle Knochen gebrochen! Faramud ging als nächster am Seil das sie herablies hinterher, dann folgte nach und nach der Rest hinauf, wobei ich mir trotz der Steighilfen immer noch einige hässliche Kratzer und Schürfwunden einhandelte. Klettern war eindeutig nicht meine Paradedisziplin...

Oben sahen wir die Siedlung in all ihrer alten... Armseligkeit. Die verlassenen Steinbauten zeugten zwar von einer gewissen Fertigkeit, aber irgendwie hatte ich mir da mehr erwartet bei all den Mühen hierher zu gelangen. Man konnte anhand einiger aufgestellter Gestelle und der Einrichtung manches Gebäudes noch dessen Zweck erahnen. Eine Mühle vielleicht, eine Schmiede, Wohnhäuser. Aber Holzgegenstände zerbröselten unter unseren Händen, Töpferware war brüchig geworden. Nur der Stein hatte den Hörnern Satinavs widerstanden.

Das alles gruppierte sich um einen löchrig wirkenden, zentralen Kuppelbau von 10 Schritt Durchmesser und 5 Schritt Höhe. Die Wände waren geschmückt mit Reliefs die Opferszenen und einen schwarzen Altar sowie andere Dinge zeigten, insbesondere das Tal versehen mit einem Totenkopf sowie ein Gestirn, dass das Madamal sein musste, dessen stilisiertes Licht auf die Kuppel des Gebäudes zu scheinen schien. Im Innenraum der Kuppel zeichnete das Licht des Praios ein verwirrendes Muster auf den Boden, aber wir waren uns schnell einig, dass wohl erst Mondlicht hier Erkenntnis bringen mochte. Also würden wir alle hier auf dem Plateau übernachten, aber niemand unten, da wir dem gezeichneten Totenkopf nicht so recht trauten. Wer konnte schon wissen was nachts dort unten passieren würde? Die ehemaligen Bewohner hatten wohl einen Grund, hier oben und nicht unten zu siedeln wo es sicher leichter gewesen wäre...Dann durchsuchten wir das restliche Dorf.

In einem großen Gebäude fanden wir den schwarzen Altar aus den Reliefs, darauf ein Holzmesser mit eingelassenen Obsidiansplittern. Dieses zerfiel mit zwar beim Berühren unter den Fingern zu Staub, aber die Obsidianstücke nahm ich trotzdem mit. Azinajida hatte da schon mehr Glück, fand sie doch eine kleine Steinkiste voll mit Edelsteinen, die wir wohl in Brabak versetzen würden. Bisher war unser Lohn noch recht mager.... Ganz hinten wand sich eine Nische in den Felsen, die wir ebenfalls untersuchten. In einer dahinter liegenden Kaverne fanden sich 3 Steinsarkophage mit Visar-Symboliken darauf. Hier, so hoffte ich, musste es doch etwas zu holen geben. Und einen Grabfrevelwürde ich ja nicht begehen, immerhin waren diese Grabstellen ja nicht im Namen Borons oder eines der Zwölf gesegnet worden. Allein, die Deckel sahen verdammt schwer aus! Ich stellte mich schon auf einen schmerzenden Rücken sowie einen Fehlschlag ein, als ich begann den ersten Sarkophag zu öffnen. Aber erstaunlicherweise glitt der Deckel leicht von seinem Unterteil herunter und legte eine bandagierte Mumie frei, in deren Hand ein Steinschwert ruhte und auf deren Brust ein Amulett an einer Kette lag. Offensichtlich war dieser Tote wirklich gut erhalten, was mich kurz verwunderte, bis er sich zu erheben begann! Ich schrie erschreckt auf, drehte mich um und floh panisch aus der Kaverne, Azina direkt mit mir. Wir erwarteten draußen schon, das uns die Schreckgestalt folgen würde, aber es tat sich nichts. Nach geraumer Zeit trauten wir uns wieder hinein, aber die Mumie hatte nichts weiter getan, als uns zu Schrecken und dann zu Staub zu zerfallen. Boron sei gepriesen! Bei den übrigen Sarkophagen gingen wir ähnlich vor, nur ohne das Schreien und wegrennen, und tatächlich: die Mumien zuckten -und zerfielen dann einfach. So hatten wir noch Steinschwerter, die wir aber zurückließen, und 3 Ketten mit Amuletten erbeutet.

Dann kam die Dunkelheit. Meister Quintore und seine Enkelin verbrachten die ganze Nacht damit im Kuppelbau Zeichnungen anzufertigen. Ich versuchte auch einmal kurz einen Sinn in den Lichtmustern zu erkennen, aber ich konnte nicht einmal das einfachste Sternbild identifizieren. Quintore hingegen schrie in einem fort Heurake und Hurra, war mehr als nur ein wenig glücklich und bedeutete uns am nächsten Morgen, er habe weswegen er gekommen war. Da es auch nicht mehr zu entdecken gab, machten wir uns auf den Rückweg. Diesmal lies Azinajida ihr Seil nicht zurück, sondern löste es nachdem alle unten waren und kletterte wiederum frei herunter. Wir waren gerade einmal noch 30 Schritt vom Ausgang des Tals entfernt, da hob ein pfeifender Wind an, begleitet von niederhöllischem kreischen. Der Boden bebte wie unter Ingerimms Hammerschlag und wir alle sahen zurück zur anderen Seite des Tals. Von dort wälzte sich, aus der Schlucht heraus, eine braune, gewaltige Flutwelle auf uns zu. Das musste den anderen Unglücklichen Gestalten geschehen sein, die wir unten gefunden hatten. Vermutlich das Ergebnis der Gewitter die wir gehört hatten, und Faramud hatte am Morgen noch gemeint, es würde heute nicht regnen...

Auf dem Rückweg

Wir mussten blitzschnell entscheiden. Zurück durch die Schlucht war herauf ein Weg von einer Stunde gewesen. Unmöglich, einer Flutwelle auf diesem Wege davon zu rennen. Also blieb uns nur die Flucht zurück auf das Plateau. Die anderen rannten los, ich stand da und konzentrierte mich. Während der Rest davonstob wie eine Herde Schafe unter die der Wolf gefahren war, behielt ich einen kühlen Kopf - zumindest fast. Zwei Anläufe benötigte ich, bis mir der Transversalis von der Hand ging und ich von einem Augenblick auf den anderen wieder oben zwischen den Gebäuden stand. Ein wenig nervös war ich vielleicht doch gewesen. Die nächsten, die eine kurze Zeit später über die Felswand krabbelten, waren, natürlich, Azinajida und, man höre und staune, das Mädchen Alara. Aber gut, Angst verleiht ja bekanntlich Flügel wie man so schön sagt... Azina war so geistesgegenwärtig gewesen ihr Seil auf halber Höhe im Felsen fest zu machen, und daran baumelte nun wie die Perlen auf einer Schnur der Rest unserer Reisegesellschaft, als ich über den Rand des Felsens blickte. Ich fasse mich kurz. Ich sorgte mich um die Leute dort unten, aber machen konnte ich nichts. Zum Glück erwischte es nur einen der namenlosen, unwichtigen Träger, der sich nicht mehr halten konnte, von dem wir aber auch später nichts mehr fanden. Der Rest überstand die kurze aber heftige Welle zwar vom Spritzwasser durchnässt, aber Gesund. Das hatten wir gerade noch einmal so überlebt...

Der Weg zurück war wenig ereignisreich. Ich besah mittels Odem die drei gefundenen Amulette, aber leider war auch hier nichts von Wert oder magischem Potential. Ab Gangriba nahmen wir das Boot und ersparten uns so einige Meilen zu Fuß, machten in Sylphur Rapport und erhielten den ausgeschriebenen Hungerlohn. Den Rest des Weges nach Brabak, wo wir uns von Guidobaldo Quintore und seiner Enkelin trennten und den Ertrag der versetzten Edelsteine gerecht teilten, immerhin dann noch einmal 11 Dukaten für jeden, mag ich schon gar nicht erwähnen. Hier trennten sich auch meine Wege von den anderen Reisegefährten, wollte ich doch noch nach Junicera sehen, ein wenig im Salamander einkaufen und dann zurück zu meiner Familie nach Al‘Anfa. Aber das ist wiederum eine andere Geschichte...

Dieser Eintrag wurde am 8.07.2017 (08:54) verfasst und 986 mal aufgerufen.
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