Tagebuch von Gisbert Schachtelhalm
Sommer DSA - Albernia

Auf nach Albernia

seit ich damals im Farindelwald an meinen Zylinder, den ich mittlerweile fast täglich trage, gekommen bin, lässt mich der Gedanke nicht los herauszufinden was es mit dem hübschen Teil auf sich hat. Da der Wunsch mehr zu erfahren in den letzten Madaläufen so groß wurde, mich gar im Schlaf verfolgte, beschloss ich eines regnerischen Morgens, als ich gerade noch das Praiostagsgewand eines Buchhändlers am flicken war, kurzerhand nach Albernia aufzubrechen. Wenn im Farindelwald Feenwesen anzutreffen sind, dann sicher doch auch an anderen Orten in Albernia. Ich würde mich durchfragen, in den Gasthäusern nach Arbeit ersuchen und den Leuten viele Fragen stellen während ich in Ihrem Beisein ihre Kleidung wieder in passablen Zustand brächte.

 

Nach einer mehrwöchigen Anreise kam ich in Albernia, einem mittlerweile vielerorts von Krieg verherrten Land an. Im Örtchen Greifenhorst, im Gasthaus zum Greifen, gab es leider nicht viel Arbeit, sodaß ich mich an der Vorführung eines fahrenden Künstlers erfreuen durfte. Das im Gasthaus zahlreich anwesende Söldnerpack, war vielen Falls schon zu besoffen um die Darbietung angemessen Wert zu schätzen.

Lass es 15 Heller gewesen sein mit denen sie den Mann für seine Mühe entlohnten. Wie der Zufall es wollte fand sich der arme Tropf alsbald an meinem Tisch ein. Ein gut aussehender Bursche, der sich mir als „Leo“ vorstellte. Anfangs dachte ich, dass es möglicherweise daran lag, dass ich ihm auf meine charmante Art dazu brachte oder aber daran, dass er von Haus aus sehr freigiebig ist, er gab mir von seinem schmalen Salär zwei Bier aus.Während des netten Gesprächs kam ich allerdings zu dem Schluss, dass der arme Kerl wahrscheinlich eher von der Reaktion des Publikums enttäuscht war und in meinen aufmunternden Worten die Bestätigung fand, die ihm von dem Söldnerhaufen verwehrt blieb. 

 

Ein komischer Vorfall ereignete sich während des ansonsten netten Abends dann doch, als ich ihm um mich vorzustellen die Verse vom Schneider Kakadu vorsang, und mit dem letzten Vers

 

...
Kurzum, du alter Esel duuuuuu
Ich bin der Schneider Kakadu

 

endete, wackelte mein Zylinder. Er hat gewackelt, dass hat er noch nie getan, denn er hat eigentlich noch gar nichts getan. Leo hatte das zu meinem Verdruss auch gemerkt und mich gleich gefragt, ob das ein magischer Hut sei. Geistesgegenwärtig schob ich die Ursache des Wackelns auf einen, eher fetten, besoffenen Söldner der nahe an uns vorbeiging, was Leo zufriedenstellte, da er es schlicht nicht durchschaute und deshalb auch nicht mehr weiter auf der Sache herumritt.

 

Am nächsten Morgen starteten wir, so wie es sich gehört mit einem guten Frühstück und je zwei Schnäpsen in den Tag. Wir unterhielten uns über dies und das und es stellte sich heraus, dass Leo nichts von Feen, Kobolden oder ähnlichem wusste, aber nichts dagegen hatte solchermaßen Wesenheiten ausfindig zu machen. Danach machten wir uns auf den Weg nach Otterntal. Nach einiger Zeit kam ein Haufen verstörter Bauern schreiend und mahnend auf uns zugerannt. Ihrem Gebrabbel nach befand sich Richtung Fluss eine Hexe, die zu allem Überdruss auch noch die örtliche Brücke zerstört haben sollte. Leo zeigte sich erschrocken, lies sich allerdings von mir dahingehend beruhigen, dass es mir gelang im einzureden es gäbe keine Hexen.

 

Sollte sich herausstellen, dass es sich bei der Brücke tatsächlich um eine Schwester handelt, so könnte sie – unabhängig davon, dass hier eine Brücke zu Bruch ging – mit meinem Beistand rechnen falls das Bauernpack mit Forken und Fackeln zurück kehren sollte. Wenn es in meiner Macht steht kommt wegen der Engstirnigkeit dieser Zwölfgöttergläubigen keine von uns auf einen Scheiterhaufen. In Erwartung einer Schwester näherte ich mich der Brücke. Dort saß in der Tat eine Frau deren Kopf von einer Kapuze verhüllt war. Auf meinen Zuruf hin hob die Person den Kopf und was ich sah – war zugegeben – kurios, interessant, gar außergewöhnlich. Ich hatte schon davon gehört, allerdings noch nie einen gesehen. Bleiches Gesicht, ganz rote Augen – vor mir stand ein Albino.

 

Was es noch interessanter machte, war das Sanjasala mit dem mich die Elfe begrüßte.

Ich tat mich schwer mein Entzücken zu verbergen. Leo wiederum war kurz davor in seinem Kopf seine erste leibhaftige Hexe zu manifestieren. Der Schrecken stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Die Elfe stellte sich nach einem kurzen und prüfenden Blick in ihre Augen nur als Albino-Elfe und nicht als Hexe heraus. Sie erzählte uns, dass die Brücke des Nächtens von drei Marodeuren zerstört wurde. Aus welchem Grund auch immer machte sich Leo nun daran, die steile Uferböschung hinabzusteigen, latzte sich dabei der Länge nach hin und klatschte mit dem Gesicht in den Fluss.

Ich bat die Elfe kurz auf meine Sachen aufzupassen und stieg hinab um dem Tropf zu helfen. Genauso ungeschickt wie beim Hinabsteigen zeigte er sich auch als ich ihm meinen Stab reichte. Er griff schlicht daneben, kam ins Straucheln, konnte sich gerade noch ausbalancieren um nicht rücklings in das schnell fließende Wasser zu stürzen. Beim zweiten Mal, nachdem ich ihn wirklich stark ermuntern musste um ihm seine Angst zu nehmen, griff er dann doch beherzt zu und ich konnte ihn dabei unterstützen wieder die Böschung hoch zu klettern. Nachdem wir wieder oben angelangt waren, folgte Leo den die Neugier regelrecht ins Gesicht geschrieben stand meinem Rat und stellte der Elfe, die wie sie uns verriet – Feylin – hieß, mit viel drum herum Gerede die Fragen die ihm scheinbar auf dem Herzen lagen.

 

Bist Du eine Hexe ? Warum hast Du so rote Augen?

Fehlte nur noch, dass er fragte: „Warum hast Du so große Zähne und so ein große Maul“

 

Eine wichtige Frage stellte er dann allerdings doch noch und zwar die ob uns Feylin über den Fluss helfen könne. Sie bejahte kurzerhand, meinte Sie würde eine Brücke für uns bauen und antwortete auf meine Nachfrage ob ich unterstützen könne nur, dass sie das nicht glauben würde.

Ich hatte ja schon gehört, dass Elfen so ihre eigene Magie besitzen und mit den Elementen erstaunliche Dinge bewerkstelligen können, weswegen ich sehr gespannt der Dinge harrte die da so kommen wollten. Leo allerdings wiegelte mit den Worten ab, „Mangels Holz und Steinen wird das wohl eher nichts werden!“. Sein Erstaunen, als Feylin aus dem Nichts eine ca. 1 Schritt breite Eisbrücke die den Fluss überspannte, entstehen lies, muss ich an dieser Stelle nicht beschreiben.

Wir schritten vorsichtig über das Bauwerk, welches in der Spätsommerlichen Hitze schon zu schnelzen begann und langten gesund und munter, nur Leo mit nassem Kopf, am anderen Ufer an.

Dieser Eintrag wurde am 2.09.2026 (22:51) verfasst und 3 mal aufgerufen.
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